Kolumne Musikwelt

Zahl’ was es dir wert ist

Wer ein Konzert o.ä. veranstaltet, möchte in der Regel auch erreichen, dass diese Veranstaltung möglichst gut besucht wird. Das Problem ist nur, dass nicht immer alle (oder zumindest ausreichend viele) Karten auch wirklich verkauft werden.
Die Gründe hierfür sind verschieden: Nicht alle Veranstaltungen sind gleich beliebt, genauso wie manche Termine. Vor allem im Bereich der klassischen Musik kommt noch ein entscheidender Faktor hinzu: Die Ticketpreise für Oper, klassisches Konzert, Ballett und Co sind nicht selten relativ hoch was dazu führt, dass nur die Leute hingehen, die es sich auch leisten können.

Der Freiwilligentarif

Um so etwas in Zukunft zu verhindern, ist in letzter Zeit immer wieder ein sog. Freiwilligentarif im Gespräch. Das bedeutet: Man erhält als Besucher für ein bestimmtes Theaterstück, Konzert, etc. zuerst einmal eine Freikarte. So kann man die Veranstaltung kostenlos besuchen und hinterher einfach selbst entscheiden, was einem das Event wert war und ob (und wenn ja, vor allem wie viel) man hierfür bezahlen möchte. Es funktioniert damit nach dem Motto: Schau dir die Sache erst einmal ganz unverbindlich an und zahle erst danach, was es dir wert ist.
Ein Prinzip von dem sich die Befürworter nicht nur mehr Besucher und damit auch höhere Umsätze, sondern auch ein anderes, evtl. jüngeres Publikum erhoffen.

Kann das wirklich funktionieren?

So ein Freiwilligentarif hat natürlich auch seine Risiken: Schließlich kann es sein, dass die jeweiligen Veranstaltungen den Besuchern so wenig wert sind, dass die entstandenen Kosten nicht reingeholt werden können.
Trotzdem finde ich, dass es zumindest einen Versuch wert wäre. Wenigstens bei Veranstaltungen, die nicht so gut besucht sind. Denn gerade im Bereich der klassischen Musik könnte eventuell tatsächlich so ein ganz anderes, vielleicht sogar jüngeres Publikum angesprochen werden. Ich selbst war schon auf vielen klassischen Konzerten und natürlich auch so einige Male in der Oper. Beim Blick in den Zuschauerraum hat sich mir häufig dasselbe Bild geboten: Halb voll bis fast leer gebliebene Säle, deren Altersdurchschnitt meist sehr hoch war. Familien, junge Erwachsene, Schüler und Studenten habe ich im Publikum meist vergeblich gesucht.
Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es nur daran liegen soll, dass klassische Musik heute einfach nicht mehr so in ist wie früher. Ich vertrete nach wie vor die Theorie, dass der Besuch von Theater, Oper und Co bei vielen auch am Geld scheitert. 15-20€ fürs Ballett klingen erstmal nach einem humanen Preis (v.a. wenn man bedenkt, dass ein einfaches Kinoticket heutzutage auch schon fast 10€ kostet), aber eine junge Familie mit zwei Kindern zahlt so für den Abend gerne einmal 50€ und mehr. Ein Preis, den sich nicht jeder leisten kann.

Kultur

Oper, Ballett, Theater: All das gehört in meinen Augen zu unserer Kultur. Trotzdem ist die Zahl der Besucher nach wie vor mehr als überschaubar. Viele Theater oder Opernhäuser geben sich große Mühe ihr angestaubtes Image aufzupolieren. Mal mehr und mal weniger erfolgreich.
Wer sich aus voller Überzeugung nicht mit klassischer Musik oder Theateraufführungen anfreunden kann, sollte auch nicht gezwungen werden. Aber ich habe von vielen (vor allem jungen) Menschen schon den Satz gehört: “Also eigentlich würde ich es mir einfach mal anschauen wollen. War ja noch nie da. Aber 20€ für eine Karte sind mir dann doch etwas zu viel.”
Also warum nicht einfach den Versuch wagen mit Zahl’ was du willst auch diese Leute zu einem Besuch in Oper, Theater und Co zu bewegen? Es müssen ja nicht die besten Plätze bei der Premiere sein. Aber: Wenn die junge Familie mit zwei Kindern nur 20€ für ihren Besuch bezahlt, dafür dann aber öfters kommt, ist es dann nicht besser, als würden ihre Plätze leer bleiben?
Für mich klingt das nach einer guten Idee. Denn Kultur sollte in meinen Augen nicht nur für bestimmte Personen zugänglich, sondern für alle da sein. Unabhängig vom Geldbeutel.

4 thoughts on “Zahl’ was es dir wert ist”

  1. Jeder weiß, was es kostet, aber der Wert ist leider oft unbekannt oder nicht zu erahnen.

    Die Idee ist an sich nicht schlecht – nur sollte es vielleicht so eine Art Grundeintritt geben und die Möglichkeit, danach noch mehr zu geben.

    Ich habe schon im Netz für Musik bezahlt, wo der Künstler schrieb, mindestens 5 € oder mehr und es scheint bei den meisten zu funktionieren. Lauschepper gibt es da natürlich auch, aber die sind in der Minderzahl.

    Und richtig – Kultur sollte und darf nicht vom Geldbeutel abhängen..

    LG

    Maccabros

  2. Schöner Artikel!

    Das Konzept “Zahl was du willst” kann funktionieren, wenn die Unkosten nicht so hoch sind.
    Als Beispiel für eine funktionierende Veranstalltungsreihe gibt es in Berlin z.B. den Piano Salon Christophori (www.konzertfluegel.com).

    Am Ende der Veranstalltung wird um eine Spende (nicht unter 20€ gebeten). Einige Menschen verlassen die Veranstalltung auch schon wärend der Pause um die Spendensammlung zu umgehen.

    Aber sehr viele Menschen zahlen auch.
    Das ganze funktioniert, meiner Meinung, weil der Veranstalltungsort eine Halle ist in der normalerweise Flügel repariert werden.
    Die Veranstallter haben also sehr geringe Unkosten und können sich auf das Risiko einlassen, das wenig gezahlt wird.

    Beste Grüße

  3. Ich find die Idee an sich schon echt cool! Mein Freund macht das mit einer seiner Bands schon ne Weile so wenn sie in Bars spielen. Sie verlangen keinen Eintritt und lassen im Laufe des Abends nen Hut umgehn. Da schmeissen die Leute meistens echt viel Geld rein, weil sie eben schön fanden. Ich könnt mir schon gut vorstellen, dass sich das auch in diesem Fall echt lohnt!

  4. Oh davon habe ich auch noch nichts gehört. Kannte es bisher auch nur von kleinen Konzerten, wo im nachhinein ein Hut rumging, wie laviedeboite auch schon sagte.
    Habe nur immer ein bisschen Angst, das manche so etwas ausnutzen und nie bezahlen :/
    Aber solche Leute gibt es wohl immer…
    Aber nichtsdestotrotz ist es eine schöne Idee und vorallem um Leute mal zu so etwas zu motivieren 🙂 Ich würde zum Beispiel gerne mal in die Oper reinschnuppern (aber wie du schon sagst, ist das meist recht teuer)

    Liebe Grüße

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