Kolumne Musikwelt

Wenn das Kunst ist, bin ich gern ein Banause

Eigentlich bin ich niemand, der von sich behaupten würde kein Interesse an Kunst und Kultur zu haben. Ganz im Gegenteil: Ich gehe gerne auf Ausstellungen, besuche Museen und auch klassische Konzerte, Oper, Theater und Co bekommen mich in einigermaßen regelmäßigen Abständen zu Gesicht.
Ich halte Kunst- und Kulturveranstaltungen für wichtig. Nicht nur die, die die moderne Kunst betreffen, sondern auch die, die sich um Werke kümmern, die schon einige Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte auf dem Buckel haben.
Da viele Menschen diese alten Schinken (gerade wenn es um Musik- und Theaterstücke geht) doch ziemlich öde zu finden scheinen, denken sich andere findige Menschen immer wieder neue Mittel und Wege aus, wie sie Mozart, Shakespeare und Co in unsere Zeit transportieren können, damit es auch für die Jugend von heute super cool und fresh wirkt. Dumm nur, dass dieser Schuss immer mal wieder ordentlich nach hinten losgeht.

Kunst ist Kunst, aber manches kann eben auch weg

Über Kunst lässt sich streiten und über Geschmack erst recht. Aber jetzt mal im Ernst: Wenn ich in Kafkas Verwandlung gehe und von “nackten” Darstellern in Fatsuits mit Bananenschalen und Kreide beworfen werde (true Story!), fühle ich mich dann doch latent verarscht. Gut, der Käfer wird bei Kafka mit einem Apfel beworfen, das Werfen (vielleicht sind wir ja alle Käfer?) sei damit schonmal halbwegs genehmigt, aber was jetzt Bananenschalen, Kreide und nackte, dicke Darsteller damit zu tun haben, ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Ich verlange ja auch gar nicht, den künstlerischen Mehrwert einer Sache immer direkt auf dem Silbertablett serviert zu bekommen, aber ist es wirklich zu viel verlangt zu erwarten, dass man in einer Inszenierung eines Werkes (der Zusatz moderne, besonders freie Interpretation war auf den Tickets und auch sonst nirgends zu finden) dieses wenigstens ein bisschen wiedererkennt? Hat der Kafka sich ja schließlich auch was bei gedacht, als er der Story eine kontinuierlich fortlaufende Handlung gegeben hat. Man kann ihn leider nicht mehr fragen, aber es besteht durchaus die Möglichkeit, dass er sich auch gefragt hätte, warum man in der Inszenierung seines Stücks, das von der Verwandlung eines Mannes in einen Käfer handelt, ausgerechnet den Käfer weglässt.
Immerhin, ein Affe war dabei – passte wenigstens zur Banane.

Also bitte…

Liebe Leute, manchmal ist es doch gar nicht so schlimm, die alten Schinken wenigstens etwas in ihrer ursprünglichen Form zu belassen. Schließlich gehe ich doch mit dem Ziel ins Theater, das Stück mal aufgeführt zu sehen,statt es nur zu lesen.
Ein bisschen Moderne, ein bisschen Interpretation, ist da auch gern willkommen, aber wenn es gleich so abgefahren wird, dass man vom eigentlichen Stück, das euch als Vorlage diente, wirklich NICHTS mehr wiedererkennt: Dann hat das was vom klassischen Thema verfehlt aus der Schulzeit.
Gut gut, viele kommen jetzt mit dem Argument, dass Kunst eben nicht rational und subjektiv sei und ich die Intention der Interpretation des Stücks dann einfach nur nicht geschnallt habe. Wäre das ein ganz eigenes, neues Stück gewesen, würde ich das Argument auch sofort gelten lassen, aber in dem Fall gab es eine Vorlage (!) – es war also schonmal Kunst da. Nämlich literarische. Das sollte man berücksichtigen und mit einbinden. Subjektiv hin oder her.
Und sollte es sich tatsächlich um eine besonders bedeutungsvolle Interpretation handeln, die einfach nur zu komplex für meine primitive, banausige Gedankenwelt war: Dann kennzeichnet das doch bitte mit dem kleinen, aber wichtigen Wörtchen Interpretation, dann weiß ich auch wo ich dran bin und kann mir überlegen, ob ich das möchte oder doch lieber in eine halbwegs vorlagengetreue Inszenierung gehe.
 
Bildquelle: Eric Terrade via www.unsplash.com

4 thoughts on “Wenn das Kunst ist, bin ich gern ein Banause”

  1. Sehe ich genau so. Ich schaue mir gerne Ausstellungen an und auch klassische Musik höre ich wahnsinnig gerne. Nur mit dem modernen Zeug kann ich tatsächlich meistens rein gar nichts anfangen. Wenn ich dann so höre, dass ein Bild mit einem einzelnen roten Fleck für hunderte Millionen weggeht und ein Bild, dass so voller Feinheiten, Details und voller Farben, Motiven und Sachen ist, die man tatsächlich erkennen kann, dann nichts wert sein soll, ja dann frag ich mich tatsächlich, was so mit der modernen Kunst los ist. Einfach nur super seltsam.
    Ich mag außerdem Streetart super gern. Da hat man vor allem hier in Hamburg jeden Tag eine kleine Ausstellung auf dem Weg irgendwohin 😛

  2. Hach schön mal wieder von dir zu lesen Liebes!!! Komm momentan so wenig dazu neue Beiträge zu lesen, aber hier musst ich gleich vorbeischauen. Ich denke das viele Künstler meinen sie haben einen Freifahrtschein weil sie eben Künstler sind und die immer damit argmumentieren können, dass das eben Kunst ist. Einfach mal alles über den Haufen schmeissen … und am Ende steckt absolut null Sinn mehr dahinter … ja das ist eben die künstlerische Freiheit! Ich hab mit sowas echt ein Problem. Gerade wenn solche Sachen zu frei interpretiert werden. Ich halte da sehr gerne an altem fest und mag Modernisierungen nur in einem sehr geringen Maß. Und heutztútage hat man das Gefühl, dass Künstler sich so versuchen zu toppen, je abwägiger und abstrakter, desto besser … seh ich aber halt absolut gar nicht so!

  3. Ohje, die Neuinterpretation klingt echt ganz schön daneben!
    Ich muss ehrlich sagen, ich war schon länger nicht im Theater oder einer Oper, was vor allem einer Vorstellung anzurechnen ist, die ich besucht habe, als ich in das Alter kam, wo ich mir dachte, etwas Kultur schadet nicht.
    Damals war ich in “der Riese vom Steinfeld”, wo es eigentlich um einen Riesen geht, der aufgrund seiner Körpergröße gezwungen wird, im Zirkus aufzutreten, sich aber in eine kleine Frau verliebt und nicht mit ihr zusammen sein darf. Soweit alles okay. Als dann aber auf der Bühne irgendwann eine überdimensionierte Toilette stand und daneben ein Mann mit einer aufblasbaren Sexpuppe alle englischen Wörter aufzählte, die ihm für des Mannes bestes Stück einfallen… Naja, mit der Art Kunst kann ich wohl auch nicht viel anfangen…

  4. Kunst ensteht im Auge des jeweiligen Betrachters, doch auch ich habe Bauchschmerzen dabei, wenn es eine Adaption für die NEuzeit(?? gibt…

    LG

    Maccabros

Leave a Reply