Musikwelt Reviews

Wapbapdabadibada

Als ich hörte, dass Deutschlands erfolgreichste YouTuberin Bibi in naher Zukunft einen eigenen Song herausbringen würde, war ich ehrlich gesagt nicht besonders überrascht. Immerhin hat sich Bibi mit über 4 Millionen Followern auf YouTube mittlerweile ein sehr gut laufendes Business aufgebaut. Vom eigenen Duschschaum über Reisen bis hin zur Synchronrolle: Was Bibi bisher anfasste, wurde auch ein Erfolg. Warum dann nicht also auch Musik machen? Haben viele andere ja schließlich auch schon sehr erfolgreich geschafft.
Dass hier keine musikalischen Höchstleistungen zu erwarten waren, sollte jedem bewusst gewesen sein. Darauf, dass das Ergebnis allerdings so dermaßen erschreckend sein würde, waren aber wohl nur die wenigsten vorbereitet: In 2 Minuten und 57 Sekunden bietet How it is (wap bap…) dem Zuhörer wirklich alles, was schlecht gemachte und vor allem seelenlose Popmusik ausmacht. Ein extrem dünnes Autotune-Stimmchen berichtet, begleitet von einem Bonbonsound, der eher an ein Kinderlied erinnert, von ihrem wirklich traurigen Schicksal: Freund weg, Job weg, Geld weg,…aber so ist eben das Leben und solange man fröhlich Wapbapdabadibada singen kann, sind all die Probleme nur halb so wild.
Das Video kratzt aktuell (Stand: 8.5.2017) an der Marke von 22 Millionen Aufrufen. Eine Aufmerksamkeit, die selbst für Bibis extrem beliebten Kanal ziemlich groß ist. Allerdings konnten sich nur 262845 Menschen bisher dazu hinreißen, das Video mit einem Daumen hoch zu bewerten. Dem gegenüber stehen 1,5 Millionen Dislikes, was das Video zu einem der unbeliebtesten Videos auf YouTube macht.
 

Alle auf Bibi – ist das fair?

Neben all der Kritik und Häme (wie leider so oft treten auch hier neben sachlichen Kritikpunkten auch unangemessene, persönliche Hasskommentare auf) die Bibi gerade erntet, nehmen einige sie in Schutz und verteidigen den Song. Schließlich mache Bibi mit ihrem Song nichts anderes, das andere Sternchen der deutschen Popmusik nicht auch tun würden. Das stimmt: How it is (wap bap…) setzt eigentlich so ziemlich auf alles, was in einigen Teilen der (deutschen) Popmusik zur Zeit richtig gut funktioniert: Eingängige Melodie und einfache harmonische Gestaltung, kombiniert mit einem seichten Text, der schön unpolitisch ist, aber trotzdem eine gewisse Tiefe und das Vorhandensein starker Gefühle suggeriert. Kennt man nicht nur von Bibi, sondern auch von anderen Sternchen, die sich zur Zeit am deutschen Pophimmel tummeln. Die Vorwürfe, die man ihr macht, könnte man also auch bei so manch anderem Popsong anbringen.
Natürlich lässt sich auch über Geschmack bekanntlich hervorragend streiten. Es mag durchaus Menschen geben, denen eine solche Musik gefällt, Bibi selbst eingeschlossen, aber man muss eben auch festhalten: How it is (wap bap…) wirkt dank einer Songstruktur, Melodie und Harmonie, die von keiner Kreativität zeugt und eher maschinell daherkommt, einem Text, der eigentlich keiner ist und einem Refrain, der eigentlich keinen Text hat, viel deutlicher vor allem auf Kommerzialität ausgerichtet als die meisten anderen Popsongs. Den Vorwurf, sie sei offensichtlich davon ausgegangen, dass die meist sehr jungen Fans – wie bisher fast immer auch – alles kritiklos hinnehmen und so oder so ihr Geld für das Lied ausgeben würden, muss sie sich daher durchaus gefallen lassen. Dass dieser Schuss jetzt ebenso offensichtlich nach hinten losgegangen ist, ist immerhin ein Zeichen dafür, dass sich auch die vermeintlich so leicht beeinflussbare junge Internet-Fangemeinde nicht alles als großes Kunstwerk verkaufen lässt.
Aber auch wenn How it is (wap bap…) sich nicht allzu gut verkaufen sollte – finanziell dürfte sich das Lied für Bibi trotzdem mehr als auszahlen. Schließlich zahlt YouTube für Aufrufe und nicht für Likes.
 
Bildquellen: Joao Silas, Alex Ruban via Unsplash

3 thoughts on “Wapbapdabadibada”

  1. ich muss gestehen, dass ich mich aus der ganzen Musikszene und dem drumherum eher raushalte …
    ich finde das ist etwas so persönliches und individuelles wie die Lieblingsfarbe und sollte jedem selbst üerlassen sein. dass man dann auf jemand anderen hetzt ist doch nicht okay …

    ❤ Tina von Liebe was ist
    Liebe was ist auf Instagram

  2. Ich finde deinen Text sehr passend! Ich habe mir das Lied auch mal angehört und kann dir vollkommen zustimmen, es ist platt. Mich nervt es etwas, dass jeder Youtuber ab einem bestimmten Erfolgsmeilenstein meint, auf einmal zum großen Musiker werden zu müssen… Aber jedem das Seine und Bibi dahingehend zu “haten” ist auch nicht richtig. Trotzdem toll zu sehen, dass ihre Fans eben nicht alles so super finden, nur weil sie es gemacht hat 🙂

    Liebe Grüße
    Anne

  3. Bei dem Text musste ich echt was schmunzeln.
    Wie war das Sprichwort mit dem Schuster nochmal 😉
    Jeder sollte doch bei dem bleiben was er WIRKLICH kann. Mich würde aber mal interessieren, ob es sich für sie so rentiert hat, wie sie es sich erhofft hat 😀

    alles Liebe deine Amely Rose schau dir gerne meinenAmely Rose an

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