Kolumne

Warum jeder Kassenbon ein Stimmzettel ist

Deutschland hat gewählt. Das Ergebnis dieser Wahl war zwar für mich leider keine große Überraschung, aber dennoch erschreckend. Dass 12,6 Prozent der Wähler sich für rechten Hass entschieden haben, zeigt einmal wieder wie wichtig es ist, seine eigene Stimme zu erheben und ein klares Zeichen zu setzen. Und das gilt nicht nur für politische Wahlen.

Wir haben die Wahl – jeden Tag

Einmal um die Erde gereist oder doch regional? Konventionell oder bio? Wegwerfen oder reparieren? Verpackt oder unverpackt? Slow oder fast fashion? Täglich fällen wir unglaublich viele Entscheidungen. Unter ihnen auch Kaufentscheidungen, mit denen wir immer auch ein kleines Zeichen setzen. Nicht nur für etwas, sondern auch dagegen. Wenn wir bewusst einkaufen und uns für “gute” Produkte entscheiden, bleiben deren “schlechte” Alternativprodukte im Regal – und deren Hersteller darauf sitzen.
 

Auch ein kleiner Schritt ist einer in die richtige Richtung

Natürlich verschwindet ein bestimmtes Produkt nicht gleich aus dem Sortiment, nur weil ich mich dazu entschieden habe es nicht (mehr) zu kaufen. Aber auch durch meinen kleinen Einzelkauf kann ich ein erstes Zeichen setzen. Schließlich braucht eine Veränderung immer auch einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Und auch kleine Schritte führen, wenn auch langsam, zum Ziel. Im Gegensatz zu Stillstand.
Oft ist der Markt extrem unübersichtlich und schwer zu durchschauen. Schließlich möchten Unternehmen, deren Produkte unter schlimmen Bedingungen produziert werden, möglichst vermeiden, dass das an die Öffentlichkeit gelangt. Es braucht also schon etwas Recherche, um die “guten” Produkte von den “schlechten” unterscheiden zu können. Glücklicherweise gibt es hier (vor allem online) verschiedenste Quellen bei denen wir uns informieren können. Zusätzlich gibt es auch einige Apps, wie z. B. Codecheck, die uns dabei helfen bedenkliche Inhaltsstoffe in Produkten zu erkennen und gleichzeitig bessere Alternativen aufzeigen.
 

Und der Preis?

Natürlich müssen wir uns die Wahl nachhaltig und fair produzierter Produkte auch leisten können. Wer wenig Geld hat, kann es sich schlicht und ergreifend nicht leisten seinen gesamten Einkauf im Biomarkt zu erledigen. Auch fair und umweltschonend produzierte Kleidung hat ihren Preis. Aber auch mit einem kleinen Geldbeutel kann man etwas tun. Regionale und saisonale Lebensmittel kosten beispielsweise weniger als Lebensmittel, die eigentlich keine Saison und einen langen Transportweg hinter sich haben. Einige Dinge kann man selbst machen, wieder andere können bei Bedarf entweder ausgeliehen oder aus zweiter Hand deutlich günstiger erstanden werden – ganz ohne neue Ressourcen zu verbrauchen.
Die Worte einer Produzentin für faire Kleidung (ich weiß leider nicht mehr genau wer es war) sind mir in Erinnerung geblieben. Sie sagte: “Die Frage, die man sich stellen sollte, ist nicht die Frage, warum unsere Mode so teuer, sondern warum die der anderen so extrem günstig ist.” So günstige Kleidung, wie sie einige Marken anbieten, kann nämlich schlicht unmöglich unter fairen Bedingungen für Mensch und Umwelt produziert worden sein. Das heißt: Auch wenn wir als Endverbraucher es nicht tun. Irgendjemand wird den Preis für dieses Teil bezahlen müssen. Wenn nicht wir, dann jemand anders. Dessen sollten wir uns bewusst sein.
 
Wir haben die Wahl – das heißt: Wir können frei entscheiden wofür wir unser Geld ausgeben und welche Produkte wir damit unterstützen. Niemand ist perfekt. Deshalb wird es auch nicht immer funktionieren, sich ausschließlich für faire und nachhaltige Produkte zu entscheiden. Aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.
 
Bildquellen:
Titel: Arnaud Jaegers
Gemüse: Alex Abossein
Sparschwein: Fabian Blank

4 thoughts on “Warum jeder Kassenbon ein Stimmzettel ist”

  1. ein so wahnsinnig toller beitrag liebe Tina!!!
    oft denken wir gar nicht so im Kleinen … vergessen, dass jede Entscheidung zur nächsten führt. die Verbildlichung mit dem Kassenzettel ist so treffend. v.a. beschäftige ich mich derzeit immer mehr mit Konsumverhalten und dem was drin ist, was wir konsumieren!

    hab eine wundervolle Wochenmitte meine Liebe,
    ❤ Tina von http://liebewasist.com

  2. Oh ja, auch die kleinen Dinge machen einen Unterschied. Gerade in der Masse! Ich finde, dass vergessen und übersehen wir alle viel zu oft…
    Und bei vielen Produkten ist es ja auch Quatsch, dass man sich die gesunde Variante nicht leisten kann… das sagen meiner Erfahrung nach vor allem oft Menschen, die auch gerne (wirklich nicht günstige) Fertigsachen etc kaufen…

  3. Toller Beitrag! Wie recht du hast! Eine Stimme ist eine Stimme und ein Käufer weniger ist nunmal auch ein Käufer weniger. Gut, dass es doch noch einige Menschen gibt, die wissen, dass es nicht “egal” ist, wie man sich verhält, weil “man ja eh nur ein Einzelner in einem System ist”. Ein System besteht schlussendlich ja auch nur aus einzelnen Teilen.
    Sei ganz lieb gegrüßt und hab noch ein schönes Wochenende,
    Walli und Kathi von http://www.everyonestarling.com

  4. Was ein toller Artikel! Du hast so Recht! Ich hab vor Jahren mehrfach die Frage gehört, welchen Sinn meine vegetarische Ernährung denn haben soll und heute gibt es überall vegane und vegetarische Produkte, Restaurants haben ne (kleine) vegetarische (vegane) Kategorie 🙂 Als Studentin kann ich mir auch keinen Bioladenwocheneinkauf leisten und da ich nicht in der Innenstadt wohne, ist es für mich leider auch keine Option alles im Unverpacktladen zu kaufen, aber die kleinen Dinge, die gar kein Problem für einen darstellen, gehen immer! Ein gutes Beispiel finde ich Nudeln ohne Ei. Für mich als Verbraucher gibt’s keinen Unterschied und es ist so furchtbar unnötig Eier aus Bodenhaltung in die Eier zu packen .. Ich könnte ewig weiter tippen 🙂 Liebe Grüße

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