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Warum gehst du nicht zu DSDS – Teil 2

Im ersten Teil dieses Artikels habe ich bereits dargestellt, warum ich persönlich die Teilnahme bei Deutschland sucht den Superstar als wenig sinnvoll betrachte. Ich bin sehr froh, dass ich mit meiner Meinung nicht allein bin (an dieser Stelle ist wohl ein Danke an die vielen, sehr interessanten Kommentare angebracht) – allerdings:

Der Erfolg von DSDS lässt sich nicht bestreiten

Kein Sender dieser Welt würde einem Format 10 Jahre lang die besten Sendezeiten überlassen wenn sich dies nicht rentieren würde.  DSDS generiert nach wie vor hohe Einschaltquoten, die Siegersongs erreichen häufig noch immer hohe Chartplatzierungen (höhere als alle anderen deutschen Castingshows). Aber warum?

Was verspricht sich jemand davon, der sich für ein Casting bei Deutschland sucht den Superstar anmeldet?

 

Diejenigen, die nicht singen können

Obwohl diejenigen, deren großes Talent eindeutig nicht im Singen besteht, noch Wochen nach ihrem Auftritt – der durch die Nachbearbeitung von RTL alles andere als beschönigt wird – Spott und Hohn ausgesetzt sind, scheint diese Show talentfreie Menschen anzuziehen wie das Licht die Motten.

Es ist nicht zu leugnen, dass diese Kandidaten wenigstens für eine kurze Zeit (wenn auch nicht positiv) im Mittelpunkt stehen. Fakt ist, dass einige dieser Personen durch ihren Fernsehauftritt einen Bekanntheitsgrad erreicht haben, um den ihn so mancher Gewinner wohl beneiden würde.

Auch mit einem schlechten Image lässt sich bekanntlich eine Menge Geld verdienen – je blamabler der Auftritt beim Casting, desto höher fällt in der Regel auch die Gage für Auftritte in Dorfdiskotheken und Co aus, bei denen sich der Kandidat noch einmal vor versammelter Mannschaft zum Affen machen darf. Für einige anscheinend eine lohnende Aussicht.

Diejenigen mit Aussicht auf Erfolg

Dem Gewinner von Deutschland sucht den Superstar winkt neben einem Plattenvertrag noch eine Siegprämie von satten 500.000 Euro. Eine Summe mit der es sich gut leben lässt. Werden die eigene Person und die CD klug vermarktet, stehen die Chancen gut, dass sich der Gewinn deutlich erhöhen und sich somit ein luxuriöser Lebensstil bequem finanzieren lässt.

An dieser Stelle wird deutlich, dass der Bekanntheitsgrad und der finanzielle Aspekt der Hauptgrund für die Bewerbungen sind. Die unerfüllbare Hoffnung sich tatsächlich als ernstzunehmender Musiker zu etablieren hegen wohl nur noch die Wenigsten.

 

Und der Zuschauer? Was motiviert die Menschen zuhause auf der Couch?

Schadenfreude ist auch eine Freude

– das ist eben so. Es existieren nun einmal sehr viele Menschen, die sich mit Vorliebe am Leid anderer ergötzen und sich ungemein unterhalten fühlen wenn sich andere bis auf die Knochen blamieren. Die Jury machts vor.

Es ist das Konzept welches Soap- Autoren und Klatschblätter ebenfalls verfolgen. Der Lebenslauf einiger Kandidaten liest sich tatsächlich wie das perfekte Tagebuch einer Soap-Figur. Vom extravagantem Freak über die kleine, süße Sechzehnjährige, die dem Chefjuror noch zu „unsexy“ ist, bis hin zum arroganten Kriminellen – für jeden Zuschauergeschmack ist etwas dabei. Es ist schließlich deutlich angenehmer über das Leben und Wesen der Anderen herzuziehen als selbst in der Schusslinie zu stehen.

Die Zuschauerrolle

Während in Casting und Recall noch die Jury bestimmt, liegt die Entscheidung über das Aus und Weiterkommen der Kandidaten in den Liveshows ausschließlich in den Händen der Zuschauer. Diese erhalten somit eine Macht, die sie sonst nicht haben: sie können ein wenig Gott spielen und das Schicksal der ängstlichen Kandidaten, die tapfer in die Kameras lächeln, besiegeln. Sie können von der Jury mit Kritik überhäufte Kandidaten entweder fallen lassen oder begnadigen.

RTL schlägt hier ganz geschickt gleich 3 Fliegen mit einer Klappe:

  1. der Zuschauer fühlt sich durch die ihm zugeteilte Aufgabe geehrt und wichtig, was ihn dazu bewegt dieser Aufgabe auch gewissenhaft nachzugehen. Dies bedeutet, dass die Show regelmäßig gesehen wird, wodurch die Werbeeinnahmen deutlich ansteigen dürften.
  2. Die zahlreichen, kostenpflichtigen Anrufe (immerhin wird zur Motivation wenigstens noch ein Auto oder eine vergleichbare Summe Bargeld verlost) verbessern zusätzlich den Kontostand des Senders.
  3. Wer immer wieder kostenpflichtig für seinen Lieblingskandidaten anruft, kauft später auch die CD seines Lieblings. Da nur der Kandidat mit den meisten Anrufen gewinnt, schließt RTL gleichzeitig aus, dass versehentlich auf das falsche Pferd gesetzt wird.

Der Sympathiefaktor

Es ist kein Geheimnis, dass die Songs von Dieter Bohlen musikalisch betrachtet nicht sonderlich kreativ und qualitativ hochwertig sind. Das ist für die Show auch gar nicht weiter von Bedeutung (es handelt sich schließlich nur bedingt um eine Musikshow – s. Teil 1). Die Menschen kaufen die Siegersingle schließlich nicht weil sie sie für ein musikalisches Meisterwerk halten, sondern weil sie den Sieger sehr sympathisch finden und ihm deshalb zum Erfolg verhelfen möchten.  Die „große Chance“ auf eine Karriere wird dem jeweiligen Lieblingskandidaten, der neuerdings immer häufiger eine bemitleidenswerte Vergangenheit vorzuweisen hat, mehr als gegönnt.

Die Show

RTL tut sein Möglichstes, um DSDS so gigantisch wie nur möglich aussehen zu lassen. Der technische und personale Aufwand ist bereits beim Casting enorm und wird bis zu den Liveshows noch gesteigert.

Bereits beim Casting wird von vielen Kandidaten im Vorfeld ein kleiner Imagefilm gedreht, der Recall findet meist in einer sehr edel anmutenden Atmosphäre statt, die Top-15-Kandidaten werden auf einer paradiesischen Trauminsel ermittelt, die Liveshows werden mit den neuesten technischen Mitteln perfekt inszeniert.

Das geschieht nur aus einem Grund: der Sender tut alles, um dem Zuschauer zu suggerieren, dass die Kandidaten DIE Chance ihres Lebens erhalten. Inwieweit dies wirklich zutrifft – darüber lässt sich wohl streiten.

Es sieht daher leider alles danach aus, als würde Deutschland sucht den Superstar uns noch ein paar Jährchen erhalten bleiben, bis sich die Zuschauer auch an diesem Elend sattgesehen haben. Erst dann werden mir wohl Fragen wie „warum gehst du dann nicht zu DSDS, wenn du singen kannst?“ endlich erspart bleiben

10 thoughts on “Warum gehst du nicht zu DSDS – Teil 2

  1. Ehlich gesagt halte ich von den üblichen Verblödungssendern nichts, aber ich lasse mal ein “Toller Blog” Stempel da=D

    MfG wurm200

  2. DSDS spiegelt meiner Meinung nach die Gesellschaft wieder… Ich find es geht allgemein mit den Fernsehsendungen immer weiter Berg ab und DSDS zeigt eben dies!
    Vor allem empfinde ich es als kritisch, wenn Schüler/innen der Ansicht sind, dass die Lebensläufe ihrer Vorbilder bei DSDS (welche teilweise ziemlich vorbelastet sind, wie Tina schon erwähnte) nachahmenswert seien.
    Somit kann ich mich meiner/meinem Vorposter(in) nur anschließen!

  3. Ich danke dir erstmal für dein Kommentar zu meinen Fotos 🙂 Deinen Blog finde ich echt super. Du hast einen wirklich fantastischen Schreibstil, zudem finde ich die Auseinandersetzung mit DSDS und somit eig. der gesamten deutschen Fernsehlandschaft sehr interessant. Studierst du zufällig Soziologie oder Kulturwissenschaften ?

    LG: i see pictures everywhere

  4. Erstmal: Kompliment an deinen Schreibstil. Die Blogeinträge lassen sich sehr gut lesen und auch wenn sie etwas länger sind als die sonstigen vorallem bildlastigen Blogeinträge (wie auch bei mir xD) fand ichs nicht nervig, sondern sehr interessant zu lesen. Kann dir auch nur vollkommen zustimmen. Ich denke, dass die Menschen sich nach anstrengendem Arbeitsalltag oder sonstigem einfach nur anspruchslos unterhalten lassen wollen. Die meisten Sendungen sind ja nach ähnlichem Prinzip aufgebaut. Germanys Next Topmodel z.B hat ja mit der wirklichen Modelrealität auch nicht viel zu tun. Stattdessen stehen Zickenkrieg, Allüren und Tragödien im Vordergrund.

  5. Oha, einiges davon kam mir aus meinem Psychologiemodul (Motivation zB) doch sehr, sehr bekannt vor. Sehr schöner Artikel, schade, dass sich viel zu wenige Menschen kritisch mit dem abendlichen “Unterhaltungsprogramm” auseinandersetzen.

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