Kolumne

Schneller, höher, weiter, besser

 

“Achja? Das Stück hat er ihr also gegeben? Das ist doch mein Song. Das wird die garantiert nicht hinbekommen. Nie. Und selbst wenn, dann wird sie es nicht ansatzweise so gut spielen können wie ich.”


Sätze dieser Art habe ich schon häufig gehört. Mal war ich diejenige, die etwas angeblich niemals hinkriegen würde, mal war jemand anderes gemeint. Immer wenn so etwas gegen mich ging, habe ich mich geärgert. Jetzt erst recht! Denen würde ich es zeigen! – zeigen, dass sie sich irren. Ich würde es hinbekommen – und das nicht nur so gerade eben, sondern besser – viel besser als die anderen. So etwas kann man ja nicht auf sich sitzen lassen!

Oder etwa doch?

Warum meinen wir eigentlich immer wir müssten mit anderen konkurrieren? Warum vergleichen wir uns ständig miteinander? Warum ist es uns so wichtig besser als die anderen zu sein?
Er singt besser als ich, sie sieht viel besser aus, warum bekommt er immer bessere Noten?… – kann man sich all das nicht einfach schenken?
 
Naja, einfach ist das sicherlich nicht. Schließlich sind wir alle nur Menschen und damit nicht unfehlbar. So ertappe eben auch ich mich zwischendurch dabei, dass ich einigen meiner Mitmenschen ihren Erfolg nicht von ganzem Herzen gönne. Nämlich häufiger genau dann nicht, wenn die betreffende Person vergleichsweise wenig dafür getan hat und mir zudem sowieso noch absolut unsympathisch ist.
Wenn ich ehrlich bin, ist das genau eines: Purer Neid! Neid, dass ausgerechnet derjenige, den ich sowieso schon nicht leiden kann, mit unfassbar geringem Aufwand Dinge zustande bekommt, die ich nach stundenlangen Bemühungen eben noch immer nicht hinkriege.
 
Solche Gedanken sind menschlich. Das ändert allerdings leider nichts an der Tatsache, dass Neid einen in den seltensten Fällen weiterbringt. Denn auch wenn sie wenig dafür getan hat: Sie singt eben immer noch besser und auch wenn ich vor Neid platze, wird er wohl noch immer bessere Noten mit nach Hause nehmen.
Wenn Neid also schon nichts bringt, warum sollte dann andersherum Überheblichkeit, wie sie in dem Zitat oben deutlich wird, zielführend sein? Nur weil er sich heute häufig verspielt, kann ich das Stück noch lange nicht besser und nur weil sie heute ein unvorteilhaftes Kleid trägt, macht mich das nicht stilbewusster. Und selbst wenn ich heute besser bin, als die anderen: Wer sagt mir, dass nicht schon morgen jemand kommt, der besser ist als ich?
Kurz und gut: Eigentlich bringt uns weder Wut auf die Besseren noch Überheblichkeit den Schlechteren gegenüber wirklich weiter.
 

Vergleich?Ja – aber bitte nur in Maßen

An sich ist nichts verkehrt daran nicht nur um sich selbst zu kreisen, sondern auch mal zu schauen was die anderen so machen. Eine realistische Einschätzung des eigenen Könnens hat wohl noch nie jemandem geschadet. Allerdings sollte man dabei aufpassen, dass dieser ganze permanente Leistungsvergleich einen auf Dauer nicht unglücklich und in schlimmen Fällen sogar krank macht. Woher ich das weiß? Aus eigener Erfahrung.
Wie bereits erwähnt: Auch von mir wurde behauptet, dass ich dieses oder jenes niemals schaffen würde und da ich jemand bin, der solche Dinge nur sehr ungern auf sich sitzen lässt, habe ich geackert. Gearbeitet, geübt, gemacht, getan. Wie eine Irre. Häufig mit Erfolg. Klar war ich dann stolz auf mich. Dachte, es allen gezeigt zu haben. Aber seien wir doch mal ehrlich: Derjenige, der das über mich gesagt hatte, ist noch immer überheblich. Und was kümmert es mich eigentlich was überhebliche und arrogante Menschen von mir denken? Wozu ist das wichtig? Gar nicht! Richtig!
 

Run yur own race!

Vorbilder haben: Ja! Sich Ziele setzen: Ja! An sich arbeiten: Ja! Sich permanent mit anderen vergleichen und in unnötige Konkurrenzsituationen bringen: Nein!
Ich jedenfalls versuche zukünftig jedem seinen Erfolg einfach zu lassen und auf arrogante Menschen, die sich auf ihren bisherigen Lorbeeren ausruhen, nichts zu geben. Ich setze mir meine eigenen Ziele – etwas nur zu erreichen, um besser zu sein, macht einen auf Dauer nicht glücklich. Oder wie es Die Toten Hosen so schön sagen:

“Du brauchst hier keinem irgendeinen Beweis zu bringen. Es sei denn es ist für dich selbst!”

6 thoughts on “Schneller, höher, weiter, besser

  1. Sehr schöner und ehrlicher Text. Bei mir ist einmal genau das passiert, was du Beschrieben hast. Dass man sich mit anderen vergleicht, immer und bei allem, was einen einfach nicht weiterbringt und letzten Endes leidet man selber darunter. Man versucht, etwas zu können, nur um es zu können, nicht weil man sich darüber freuen würde, sondern nur um jemandem etwas zu beweisen, den man nicht einmal mag – und um sich zu beweisen, dass man selbst besser ist als irgendjemand anders. Absolut unsinnig natürlich, und selbst wenn man das erreicht hat, findest du etwas anderes, was jemand besser kann. Warum also etwas versuchen zu erreichen, nur weil jemand anderes das erreicht hat? Warum nicht seine Energie in etwas stecken, was man schaffen will, weil es einen glücklich macht? Das musste ich lange lernen… Danke für deinen so treffenden Post!

    Liebe Grüße
    Nicole

  2. Da sind einige interessante Erkenntnisse dabei.

    Konkurenzdenken kann motivieren, das stimmt schon. Der “denen Zeig ich es” Gedanke funktioniert bei mir z.B. im Sport ganz gut.

    Bei allem was Kunst belangt ist er (für mich) kontraproduktiv.

    Was ist den in der Kunst ein “besser”.
    Das ist meiner Erfahrung nach sehr oft subjektiv geprägt und im zweiten Schritt
    dann Begründet (das ist toll, weil… oder das ist ja schrecklich, weil….)

    Beim Sport kann man das leicht messen (jemand läuft schneller, springt höher oder geht zuerst K.O ect.) aber was ist das “besser” bei Musik und Fotografie?

    Die Beliebtheit beim Betrachter oder Zuhöhrer?
    Das Lob von Kennern oder Kollegen?

    Das ist für mich bei persönlichen Projekten kein Maßstab mehr.
    Klar wenn jemand von mir möchte, dass ich ihn portraitiere dann
    müssen die Fotos dem Menschen am Ended gefallen.

    Aber die Frage ob jeman anderes “bessere” Fotos als ich macht
    stellt sich für mich schon lange nicht mehr.

    Mir hat mal jemand um die Ohren gehauen ich sollte nicht so viel Zeit mit fotografieren verschwenden, da ein Kollege der Person viel bessere Fotos machen würde.
    Das hat mich damals schon nicht vom fotografieren abgehalten 🙂

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