Kolumne

Und was is’ mit Text?

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Wer mich kennt, weiß: Das Schreiben und ich verstehen uns ganz gut. Ich mag Texte, mochte sie schon immer – und bin ehrlich gesagt auch manchmal besser darin, gewisse Dinge mit Zettel und Stift in Worte zu fassen, statt sie einfach auszusprechen. Denn: Wer schreibt, denkt intensiver darüber nach, wie er etwas formuliert. Papier ist eben geduldig. Geduldiger als die meisten Menschen.
Deshalb höre ich auch gerade bei Songs sehr gut hin und bin manchmal schlicht erstaunt, was ich da vor die Ohren gesetzt bekomme: Von Texten, die eigentlich keine sind, weil sie aus weniger als 5 Wörtern bestehen, über Texte ohne Aussage bis hin zu Texten, die überhaupt keinen Sinn ergeben – alles schon gehört. Vor allem bei englischsprachiger Musik – denn hier lassen sich Unstimmigkeiten etwas besser verstecken.
Da stellt sich mir die Frage: Wie wichtig ist das, was ein Songtext so von sich gibt , eigentlich? Denn seltsamerweise finde ich gewisse Songs ohne großartig wertvolle Texte absolut hörbar, während sich mir bei anderen Songs genau deshalb schlicht der Magen rumdreht.
 
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Die Lösung des Ganzen liegt wohl darin, dass Musik (natürlich nur auf Songs mit Gesang bezogen) aus zwei verschiedenen Elementen besteht: Der Musik selbst (also Harmonie und Melodie) und eben dem (gesungenem oder gesprochenem) Text. Beides ist wichtig – und im Idealfall ist auch beides gut.
Ist das allerdings nicht so, hängt viel vom gewählten Genre und der Situation, in der der Song gehört wird, ab.
Wer abends durch Kneipen und Clubs tingelt, braucht nicht unbedingt hoch philosophische Texte, sondern vor allem Musik, die tanzbar ist und gute Laune macht. Da kann ein Einzeiler absolut ausreichend sein. Auch für Textmenschen wie mich.
Wer es sich allerdings Zuhause mit einer heißen Tasse Kakao gemütlich gemacht und die Singer- Songwriter- Platte aufgelegt hat, wird sich wahrscheinlich über unsinnige Dreiwortsätze relativ schnell ärgern. In diesem Genre, das für zumindest mich zur Hälfte auch vom Text lebt, sind Schwachsinnstexte absolut tödlich.
 
Richtig aufgefallen ist mir diese Problematik, als ich im Gesangsunterricht an der Uni einen Song zugeteilt bekam, der mir einfach nicht so richtig gelingen wollte. Es kam einfach nichts rüber. So gar nichts. Für Sänger eine Katastrophe.
Ich hatte so eine Situation schon einmal erlebt. Allerdings lag es damals daran, dass ich mich mit dem Text schlicht nicht identifizieren konnte, weil der eine Denkweise darstellte, die mir absolut fremd war.
Diesmal war es anders – es gab nämlich keinen Text. Beziehungsweise: Den gab es schon, aber er hatte (zumindest für mich) keine Aussage. Sich in so etwas hineinzuversetzen, ist schwer.
Es handelte sich bei besagtem Song übrigens um We found love von Rihanna. Es ist zwar klar, dass es grob formuliert um eine Liebesgeschichte geht, aber insgesamt finde ich die textliche Aussagekraft des Songs doch recht dürftig. Zumindest wenn es darum geht, sich da (wie damals von der Dozentin gefordert) halbwegs intellektuell mit auseinanderzusetzen.
Den Auftritt mit diesem Song rettete ich damit, dass es sich bei dem Stück bekanntlich um einen Partysong handelt. Meine Gitarrenbegleitung war absolut super und hat dafür gesorgt, dass so eine gute Stimmung aufgekommen ist, dass der Text an sich letztendlich völlig wurscht war.
Wie sieht es bei euch aus? Wie wichtig ist euch der Text bei Songs? Hört ihr immer sehr genau hin oder reicht euch manchmal auch einfach ein guter Sound?

4 thoughts on “Und was is’ mit Text?”

  1. Früher waren mir Texte ziemlich gleichgültig. Ich ließ mich von der Stimmung der Musik, des Gesnags, des Arrangements tragen. In den letzten Jahren sind die Texte immer wichtiger geworden, vor allem wenn sie sich um Lebenssituationen aus dem eigenen Leben drehten.

  2. Es kommt wirklich auf die Stimmung an, denn wie du schon sagst, wenn man mal weggeht, muss ich eher nicht den tiefstemotionalsten Song mit den besten Lyrics, die vielleicht je geschrieben worden sind, hören.
    Doch im allgemeinen finde ich den Text schon sehr wichtig, vor allem wenn ich mich mit den beschriebenen Gefühlen oder Situationen identifizieren kann. Teilweise faszinieren mich auch Texte regelrecht, weil sie entweder total genial sind oder auch einfach brutal ehrlich und nackt erzählen, was los ist. Bei Letzterem trifft es mich beinnahe noch mehr, weil es dann meist Dinge sind, die man selber vielleicht nie aussprechen würde.
    Aber ich schließe mich auch meinem Vorredner an: auch mir sind in den letzten Jahren, die Texte wichtiger geworden.

    Liebe Grüße

  3. Hinsichtlich der Tanzbarkeit mache ich ohne weiteres auch Abstriche am Text – ein Song, der mich sowohl mit der Melodie UND dem Text berührt ist etwas anderes und leider seltener geworden.

    Doch ich sehe, dass gerade bei den Singer/Songwritern in den letzten Jahren wieder reichlich guter (Geschmackssache) Nachwuchs gekommen ist. (Passenger, Blunt, Ed Sheeran oder schon längeer – Tracey Chapman usw.)

    Englisch hört sich im ersten Moment gut an, aber wenn Du es übersetzt, ist auch vieles flach.

    Rihanna – da kommt es oft weniger auf den Text als auf die Verpackung an – aber ich liebe den Song Diamonds…

    Vielfach frage ich mich, geht es noch um den Song, den Text, die Aussage, die Melodie oder einfach nur um die Verpackung? Halbnackte junge Damen oder knackige junge Männer in zu engen Klamotten werden hochgejubelt und fallen gelassen – ist das noch Musik…?

    LG

    Maccabros

    P/S

    wie immer sehr schöne Bilder…

  4. Die ersten Songs die mich früher “gepackt” hatten waren u.a. Songs wo mir als Zuhörer ein paar Text Brocken zugeworfen wurden…bewusst. Kurze kappe “Bild Fragmente” scheinbar ohne zusammenhang.

    Aber nach kurzer Zeit merkte ich wie ich im Geiste anfing die Bilder zusammensetzte, wie ich die Bedeutung einzelner Worte in den Kontext stellen konnte…

    Also: manchmal bedarf es keiner auschscheifenden Erzählungen… Manchmal reicht ein verstecktes Wort um die Dimension zu vermitteln.

    Wie heisst es so schön “It’s not about what you add…it’s what you leave out…”

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