Kolumne, Lifestyle

“Und bedanke dich bei deinem Körper…

für alles was er dein Leben lang schon leistet.” Mit diesem mittlerweile im Kurs sehr bekannten Satz endet die wöchentliche Yogastunde immer. “Schön wäre es, wenn er heute mal was geleistet hätte…” höre ich ein halblautes Flüstern hinter mir “…bei dieser einen Position bin ich mal wieder nach nur knapp 10 Sekunden zusammengeklappt. Mein Body gehört eher zu den Losern.” Es folgt ein kurzes Lachen, das eher nach einem Quietschen klingt.
“Aber das ist doch völlig normal!”, auf dem Gesicht der Yogalehrerin, die das Flüstern offensichtlich auch gehört hat, macht sich Erstaunen breit “Du bist noch nicht so lange dabei, das braucht eben alles seine Zeit – und naja…genau darum geht es auch beim Yoga. Es geht nicht allein um Fitness, es geht darum, seinen Körper kennenzulernen, ihn schätzen zu lernen, mit ihm zu arbeiten und nicht gegen ihn.” Diese Antwort scheint die Angesprochene nicht richtig zu überzeugen “ja, aber er könnte sich ja auch mal ein bisschen beeilen und das tun, was ich will” lautet ihre leicht trotzige Antwort.
“Aber das tut er doch”, erwidert die Yogalehrerin ruhig “Und zwar jeden Tag: Deine Beine tragen dich den ganzen Tag durch die Gegend, deine Hände sind Koordinationskünstler und auch deine Organe sind wahre Workaholics – sie arbeiten nicht nur so zuverlässig wie ein Uhrwerk, sondern versuchen auch, so gut es geht dich vor schädlichen Stoffen und Viren zu bewahren. Ich sehe so viele Mädels in meinen Kursen, die ganz verbissen trainieren und viel zu schnell viel zu viel von ihrem Körper verlangen und auch mit sich selbst gar nicht zufrieden sind, obwohl sie einen wunderbaren Körper haben. Schau dich an: Du bist ein junges, gesundes und wunderschönes Mädchen und wenn du noch ein bisschen Geduld hast, wirst du die Position ganz sicher auch bis zum Ende halten können.”
 
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Mit seinem Körper zu arbeiten, statt gegen ihn – das ist etwas, das ich auch sehr lange lernen musste. Früher gehörte ich zu den Menschen, die nicht groß darüber nachgedacht haben, was der eigene Körper über die Jahre eigentlich so leistet. Ich war jemand, der bestimmte Warnzeichen bei viel Arbeit ignoriert hat und am Ende der Lern- und Arbeitsphase erst einmal für mindestens zwei Wochen das Bett nicht mehr verlassen konnte, weil der Körper die ihm zustehende Ruhe eingefordert und kapituliert hatte.
Den eigenen Körper zu kennen und auf ihn zu hören habe ich tatsächlich vor allem durch den Yogakurs gelernt. Ich habe gelernt, dass es nicht immer darauf ankommt gleich am Anfang Höchstleistungen zu bringen und über die eigenen Grenzen hinauszugehen, sondern diese einfach auch mal zu respektieren und nicht gleich das Unmögliche zu verlangen, sondern sich langsam und angemessen an ein Ziel heranzuarbeiten. Dazu habe ich gelernt, Gesundheit nicht als selbstverständlich zu betrachten, sondern eher als Geschenk und einfach dankbar zu sein, dass es mir so gut geht.
 
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Damit das auch so bleibt, versuche ich, meinem Körper etwas zu gönnen und zurückzugeben. Das lässt sich nicht immer so vorbildlich durchziehen wie es klingt: Ab und zu genieße ich auch eine leckere Portion Pommes rot-weiß oder eine Pizza, Schokolade gilt fast als Grundnahrungsmittel und gerade in den Wintermonaten ist die Sportmotivation nicht so ganz auf der Höhe, aber ich versuche so gut es eben geht frisch selbst zu kochen, viel Obst und Gemüse zu essen, weitestgehend auf Alkohol zu verzichten (Raucher bin ich eh nicht) und vor allem: Auf meinen Körper zu hören und seine Signale ernst zu nehmen. Schließlich habe ich nur diesen einen und hoffe, dass er auch noch die nächsten Jahrzehnte weiterhin so gesund bleibt wie er ist.
Wie sieht es bei euch aus? Was tut ihr, um euren Körper möglichst lange fit zu halten?

8 thoughts on ““Und bedanke dich bei deinem Körper…

  1. Die Yogakurs-Anekdote ist witzig! =) Ich finde tatsächlich, dass das Beste am Sport der allmähliche Fortschritt ist. Wenn man von Mal zu Mal weiter laufen kann oder mehr Sit-Up’s leisten kann. Kleine Erfolgserlebnisse steigern schließlich die Motivation. 🙂 Dein Outfit ist auch super süß. Ich finde, die Mütze steht dir richtig gut! Außerdem ist auch die Location schön gewählt. 🙂

    GLG, Sabrina
    Happiness-Is-The-Only-Rule

  2. Es ist so wahr! Den eigenen Körper zu kennen und lieben zu lernen, ist ein unheimlicher wichtiger Schritt auf dem Weg der Selbstfindung. Ich finde auch das Yoga eine wunderbare Möglichkeit ist, um dies zu lernen. Bei mir hilft zusätzlich die Meditation!

    viele Grüße
    Rebecca

  3. wahre, wahre worte meine liebe! sehr, sehr schön geschrieben. ich muss auch langsam mal wieder was tun. nicht nur für mich und mein gefühl, sondern eben auch für meinen körper! der dankt mir das dann im gegenzug ja auch.

    und noch mal danke für deine lieben worte im letzten kommentar <3 da ging mir das herz auf!

  4. Das ist ein toller Text, mit vielen Wahrheiten.
    Ich kann in diesem Fall mal so richtig meinen Senf dazu geben, da ich leider ein paar Monate schlimmer krank war und mich gerade erst davon erhole.
    In dieser Zeit hatte ich wirklich oftmals das Gefühl, dass mich mein Körper im Stich lässt und wir nicht mehr als Team funktionieren. Das war zeitweise wirklich schlimm und manchmal auch seltsam. Weil ich das Gefühl hatte, mein Körper gehört nicht mehr mir und zu mir schon mal überhaupt nicht.
    Jetzt geht es bergauf und ich habe auch wieder mit Sport angefangen, um endlich wieder fitter zu werden. Die Quälerei kannst du dir sicherlich ausmalen, ich sage beinahe die ganze Zeit ähnliche Sätze während meinen Stunden… grausam. Gefühlt kann die 70jährige Rentnerin im Kurs gerade alles besser als ich. 😉

  5. Hallo Tina!

    Dein Post hat mich gerade sehr inspiriert. Ich muss sagen, ich und mein Körper sind nicht gerade die besten Freunde. Mich plagen oft Selbstzweifel und ich bin auch nicht immer ganz fair zu ihm. Mein Körper muss mit mir echt viel aushalten. Ich muss einfach auch noch diese innere Ruhe finden und meinem Körper das geben, was er braucht.

    Eine Freundin von mir führt einen recht erfolgreichen Yoga Account auf Instagram. Dank ihr bin ich bereits mit diesem Thema in Berührung gekommen. Sie hat auch gemeint, dass Yoga mir helfen könnte, die innere Balance zu finden. Langsam aber sicher bekomme ich echt mal Lust, es auszuprobieren, auch wenn ich nicht gerade zu den biegsamsten Menschen gehöre. Sie meinte allerdings, dass es nicht das ist, worum es bei Yoga geht. Früher konnte ich Yoga nicht viel abgewinnen, weil ich mir dachte, es bringt nichts. Vielleicht bringt Yoga nichts, um abzunehmen, jedoch habe ich gelernt, dass es um etwas ganz anderes geht.

    Danke für diesen inspirierenden Post.

    Ich wünsche dir Frohe Ostern

    Liebste Grüße
    Lisa

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