Kolumne Lifestyle

Talent?!?

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“Der ist absolut talentfrei” – ein Satz, der auch heute noch viel zu oft fällt. Unsere Gesellschaft neigt dazu Menschen mit hohen Fähigkeiten in einem bestimmten Bereich sehr schnell als äußerst talentiert zu beschreiben.

Aber gibt es Talent überhaupt?

Der Begriff Talent bezeichnet in der Regel eine bestimmte, überdurchschnittliche Begabung eines Menschen, die angeboren ist.

Es existieren zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, von denen bisher keine einzige in der Lage war nachzuweisen, dass Talent existiert und Begabungen angeboren sind. Die Beobachtung verschiedener Profimusiker in einigen Studien ergab sogar viel eher, dass für deren hohes Niveau etwas anderes als Talent verantwortlich sein muss:

Übung macht den Meister

– ist nicht nur eine Weisheit, die jeder kennt, sondern mittlerweile sogar wissenschaftliche Tatsache. Es ist nachgewiesen, dass man durch regelmäßiges und zielgerichtetes Üben besser wird. Dies ist eine Tatsache, die für jeden gilt.

Allerdings kann man immer wieder Personen beobachten, die für ein und dasselbe Stück häufiger üben müssen als andere. Woher kommt dieser Unterschied? Sind diejenigen, die länger üben müssen dann auch automatisch die mit weniger Talent?

Eine Schlussfolgerung, die in meinen Augen völlig fehl am Platze ist – und dies aus einem einfachen Grund: Üben ist nicht gleich Üben!

Um effektiv zu sein, muss das Üben zielgerichtet sein. Der Erfolg richtet sich aus diesem Grund nach mehreren Faktoren. Wer eine Stunde lang konzentriert und häufig die für ihn kritischen Stellen immer wiederholt, wird schneller zum Ziel gelangen als jemand, der ebenfalls eine Stunde lang in Gedanken noch woanders ist und die meiste Zeit damit verbringt Stellen zu spielen, die er bereits beherrscht. Vordergründig haben beide Personen jeweils eine Stunde geübt.

Was ist mit Wunderkindern?

Wunderkinder bekommt man erst dann zu Gesicht, wenn sie bereits ein hohes Niveau erreicht haben. Die Frage bei der Betrachtung von Kindern mit erstaunlichen Fähigkeiten sollte daher wohl eher lauten: was haben sie getan, bevor sie als Wunderkinder galten? Oder anders formuliert: wie häufig und intensiv haben sie geübt oder trainiert?

Aus diesem Grund weigere ich mich nach wie vor daran zu glauben, dass etwas wie Talent existiert. Ich glaube nach wie vor daran, dass jeder für seinen Erfolg oder Misserfolg in einem gewissen Maße selbst verantwortlich ist. Die Gene können ja schließlich auch nicht für alles herhalten.

12 thoughts on “Talent?!?”

  1. Ich glaub auch nicht das es talent gibt – im edeffekt muss man immer und für alles was tun – sonst kommt man nicht weit
    Lisa

  2. These: Das Wort Talent ist für diejenigen erfunden worden, die selbst noch nicht die richtige Übepraktik gefunden haben und diejenigen die diese bereits haben “beneiden” 😉 das klingt jetzt vielleicht hart, aber habt ihr schonmal einen Profimusiker zum andern sagen gehört “Du hast Talent!” ? Ich nicht 😉
    Wie du (meiner Meinung nach) schon richtig feststellt Tina, Übung macht den Meister 😉 so ist das nunmal 🙂

  3. Vorab : Ein klasse Bild, da passt echt alles ! 🙂
    Und jetzt eine Frage, die ich mir selber nicht beantworten kann.
    Bei “Wunderkindern” ist es ja oftmals so dass, kaum fangen sie an zu sprechen oder machen eigenständig den ersten Schritt, sie von den Eltern in eine gewisse Richtung gestupst – oder sagen wir mit Zuckerbrot und Peitsche gezwungen werden. ( Mir schweben da gewisse asiatische Turnvereine und Klavierschulen vor … ). Meine Frage bezieht sich sich aber eher auf erwachsene Personen und deren Talententwicklung. Meinst du es ist einfacher als sehr junger Mensch das gewisse Maß an Talent zu erreichen als für jemanden, der schon eigenständig denkt und ein paar Lebensjahre hinter sich hat ? Man sagt oft dass Kinder, vor allem in der Musik, möglichst früh herangeführt werden sollen. Meinst du, dass liegt daran dass diese Kinder noch “formbarer” und talentempfänglicher sind und deshalb so jung anfangen, oder einfach weil der gesamte musikalische Weg dann gleich das mögliche Pensum an möglicher Übungszeit ausschöpft ?

    1. mhm also im Seminar haben wir gelernt, dass es (gerade bei Klavier, Turnen und sowas) absolut notwendig ist so früh wies geht anzufangen um ein bestimmtes Level zu erreichen – allerdings nicht unbedingt, weil man da “formbarer” ist, sondern weil man da quasi schon “Übungsstunden” aufbaut und als Kind schneller lernen kann als als Erwachsener – so verschafft man sich dann quasi einen “Vorsprung”, den man in der Regel nicht mehr aufholen kann, wenn man als Erwachsener anfängt…

    1. Danke =)
      mhm der nächste Auftritt wäre tatsächlich am 3.2. in Wuppertal 😉 – spiele allerdings auch schon länger mit dem Gedanken mal was aufzunehmen…

  4. Höö? Sah dein Header gestern nicht noch anders aus?
    Da wollt ich dir nämlich eigentlich schon schreiben, aber da war so ein großes Durcheinander von antworten, Arbeiten und Lesen und plötzlich war der Feierabend da. Also der ist sau cool der neue Header!
    Und das Bild von dir ist mal meeeeega geil! Sieht sau cool aus.
    Zu deiner Talentfrage. Ich denk schon, dass Menschen, die etwas schneller können eben eine bessere Auffsssungsgabe besitzen…klar. mehr Talent weiß ich nicht, denn ich denke immer, dass sowas mit ehrgeiz zu tun hat. Wenn man etwas wirklich will, dann übt man so viel bis man für sich perfekt darin ist oder versucht eben immer und immer besser zu werden.
    Ich frage mich allerdings des öfteren, wieviel Begabung in manchen Menschen vllt noch steckt, aber man es nie erfährt. Vllt wär man in gewissen Dingen total gut, weil man gute Voraussetzungen hat, aber erfährt nie davon. Weist du was ich meine?

    Zum thema Wunderkind… da kann ich grad echt nichts dazu sagen. da bin ich überfordert weil ich da auch nicht weiß, was ich denken oder davon halten soll 🙂

  5. Ich hab das für mich noch nie so hinterfragt, interessanter Ansatz! Würdest du sagen es gibt einen Unterschied, ob jemand musikalisch ist oder nicht?
    Und was mir auch immer mal auffällt, manche Menschen haben einfach kein Rhythmusgefühl. Wobei ich das jetzt mal in Zukunft den Faktor musikalische Früherziehung miteinbeziehen werde. (BTW, sehr nettes Blogkonzept!)

  6. Interessantes Thema. Ich denke schon, dass es Talent gibt. Während die einen z.B. beim Singen keine oder kaum Probleme mit der Intonation haben, müssen sich die anderen das Treffen der Töne bei noch so viel Ehrgeiz oder Enthusiasmus mühsamst erarbeiten. Insofern kann der Einstieg für jemanden mit einer entsprechenden Begabung leichter sein, was ihm das Üben aber dennoch nicht abnimmt, denn das Treffen der Töne allein macht ja noch keinen guten Sänger. “Übung macht den Meister” stimmt daher ganz bestimmt.
    Irgendwo hatte ich neulich gelesen, dass man mind. 10.000 Stunden Übung bräuchte, um auf internationales Niveau zu kommen – egal in welcher Disziplin. Dieses Pensum hat ein Mensch, der früh beginnt (und dranbleibt) auch früher erreicht.
    Dass Kinder grundsätzlich schneller lernen halte ich dagegen für ein Ammenmärchen. Ich glaube, dass Erwachsene das Lernen viel effizienter und konzentrierter angehen könnten, wenn ihnen nicht häufig ihr Kopf einen Strich durch die Rechnung machen würde. Was Kinder auszeichnet ist, dass sie im frühen Alter nicht so viel darüber nachdenken, ob sie etwas können und wie gut sie es können, sondern es einfach mal machen. Erwachsene diskutieren hingegen gerne rum, werden durch innere Glaubenssätze gehemmt und haben Angst, sich zu blamieren.

  7. Ich glaube, eine gewisse Veranlagung etwas besonders gut bzw. besser als andere zu können, hat jeder. Bei manchen geht das auch mit dem Charakter einher. Mir sagt man öfter, meine Videointerviews wären spitze, die wären so natürlich und lustig. Ich bin auch eher extrovertiert, ich weiß nicht, wie sich jemand präsentieren würde, der schüchtern ist oder mit der jeweiligen Musik nix anfangen kann.

    Lidstriche kann man üben 😉 Ich finde meine überhaupt nicht perfekt, besonders dieses “Schwalbenschwänzen” zur Augenbraue hin kann ich überhaupt nicht. Bei Patzern hilft es jedoch super, wenn man einen Q-Tip mit Augenmakeupentferner tränkt und über die Stelle tupft 🙂

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