Kolumne

Soundsunday: A woman’s worth

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Manchmal stellen wir Frauen unser Licht unter einen Scheffel. Und mit wir meine ich wirklich wir – ich schließe mich da nicht aus.
Denn wie viele Frauen, bin auch ich beispielsweise manchmal nicht dazu in der Lage Nein zu sagen, obwohl ich es gerne würde, bin manchmal sehr emotional, nehme mir einiges viel zu schnell zu Herzen oder hänge mit zu vielen Emotionen an bestimmten Dingen und Menschen, die eigentlich nicht gut für mich sind.

Die Forschung sagt: Männer haben mit solchen Dingen seltener zu kämpfen. Männer haben auch deutlich weniger an sich und ihrem Körper auszusetzen, während Frauen sich extrem häufig sehr kritisch begutachten und relativ schnell etwas finden, was sie noch an sich verbessern könnten.
Zu blass, zu dick, zu dünn, zu wenig Muskeln, zu glänzende Haut, zu viele Falten,…frau findet fast immer etwas, das sie noch an sich verbessern kann, während mann tendenziell eher völlig zufrieden mit sich ist. Das hat auch die Industrie erkannt und ausgenutzt.
 
Erst vor Kurzem hatten Frauenrechtlerinnen in Frankreich sich darüber beschwert, dass Produkte für Frauen in der Regel teurer waren als das Pendant für Männer. Und auch, wenn man sich einmal in deutschen Drogeriemärkten o.ä. umsieht, wird man schnell feststellen, dass beispielsweise Rasierschaum, Gesichtscreme und Co für Frauen immer teurer ist, als das vergleichbare Produkt für Männer. Sollte (bei Parfüm beispielsweise schon häufig erlebt) das Produkt mal den gleichen Preis haben, hat das Pendant für Männer nicht selten mehr Inhalt.
Gleiches gilt für Klamotten. Sehe ich Werbung für Weihnachten oder Silvester, bietet sich mir viel zu oft das gleiche Bild: Während mann in einer bequemen Hose und in Hemd mit Cardigan darüber herumsteht, trägt frau eher ein kurzes, enges Pailettenkleidchen ohne Ärmel. Sorry liebe Werbung, aber Weihnachten und Silvester sind im WINTER – und da ist es ja bekanntermaßen kalt. WARUM also soll frau genau dann Klamotten tragen, in denen sie sich potenziell eher den Hintern abfriert?
 
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Warum?

Von der tollen, modernen Frau von heute, wird verlangt, dass sie nicht nur intelligent und eine gute Mutter/Ehefrau/Hausfrau ist, sondern auch noch ganz nebenbei permanent wie aus dem Ei gepellt aussieht. Um diesem Ideal zu entsprechen, tun wir Frauen so einiges. Auch finanziell.
Es ist so offensichtlich wie einfach: Frauen sind einfach schlicht und ergreifend dazu bereit für Kosmetikartikel, Kleidung und Co mehr zu investieren als Männer. Heißt also im Klartext: Frauen sind bereit, mehr Geld zu investieren, also wird diese Investition von Ihnen auch gefordert. Würden Männerprodukte einmal auf das Preisniveau der Frauen ansteigen, hätte der Handel höchstwahrscheinlich relativ schnell das Problem auf seinen Sachen sitzen zu bleiben. 30ml Parfüm für über 50€, Winterpullover, die so dünn sind, dass man sich auch im Sommer damit den Hintern abfrieren würde, weiße Shirts, die durchsichtig sind,… – ich kenne keinen Mann, der so etwas kaufen würde.
Das bedeutet damit auch: Bei aller Ungerechtigkeit und Ungleichheit, die noch immer zwischen Frauen und Männern besteht: Ein bisschen sind wir Frauen auch selbst dran schuld. Schließlich kaufen wir die ganzen Cremes, Töpfchen und Tiegelchen ja trotzdem, statt das ganze Zeug – wie die Männer eben auch – einfach liegen zu lassen.

A woman’s worth

Natürlich: Das, was ich eben gesagt habe, trifft nicht auf alle Frauen (und Männer) zu und selbstverständlich leben wir in einem Land, in dem Frauen durchaus etwas zu sagen haben.
Aber es ist eben auch die traurige Wahrheit, dass es kein einziges Land auf dieser Erde gibt, in dem Frauen zu 100% den Männern gleichgestellt sind. Noch immer sind Frauen in leitenden Positionen eher die Ausnahme, noch immer verdienen Frauen im Schnitt weniger als ihre männlichen Kollegen, gelten als schwach und noch immer werden Frauen für einige Produkte und Dienstleistungen mehr zur Kasse gebeten als Männer.
Trotzdem fällt es uns Frauen manchmal eben doch schwer auf unser Recht der Gleichberechtigung zu bestehen. Nicht selten, weil so ein Protest nicht nur Mut, sondern auch viel Kraft kostet. Sich als Frau in einer Männerdomäne zu behaupten, ist nicht leicht. Trotzdem sollte frau es versuchen und ihr Recht auf Gleichberechtigung einfordern. Denn eine Frau ist genau so viel wert wie ein Mann und sollte auch dementsprechend behandelt werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dessen sollte sie sich immer bewusst sein. Vor allem auch dann, wenn sie in den Spiegel schaut.
 

 
 
Ein Dank auch wieder an Marina Lang für die Fotos.

4 thoughts on “Soundsunday: A woman’s worth”

  1. Wegen dem Nein sagen und dem Körperbefinden an sich – sei DIr sicher, dass es den Herren der Schöpfung (jedenfalls mir) auch oft so geht.

    Und zu den “Klamotten” – es gibt für Frauen immer so tolle Sachen und für Männer meist nur langweile Teile, die sich meist wiederholen und das mit Sylvester – es schaut toll aus, aber ist wirklich meist zu kalt.

    Und wert – Frauen sind gleich viel oder oft mehr wert als viele Männer, auch wenn es der Mann an sich selten zugeben wird, denn ohne die Frau an sich – was wäre das für ein Leben…?

    GLG und einen schönen 1. Advent Dir…

    Maccabros

  2. Ach Tina, ich möchte auch keine Frau sein, ständig auf der suche nach Themen und Aussagen die man gegen sich werten und interpretieren kann! (Ironie!!!)

    Trotzdem einen schönen 1. Advent dir!

    Liebste grüße

  3. Ich stimme dem wirklich zu. Aber manchmal fühlt es sich einfach besser an, in High Heels auszugehen anstatt in Sneakers. Das hat auch nicht unbedingt was mit der Werbung zu tun – und es soll auch Männer geben, die gerne in Heels rumlaufen. Es gibt einem ein anderes Körpergefühl.

    Richtig traurig ist nur, dass Frauen und Männer wohl nie zu 100 % gleichgestellt sein werden. Und daran sind wir nicht ganz unschuldig. Manchmal stellen wir uns selbst als schwach dar, nur um zu bekommen was wir wollen. Ein gutes Beispiel dafür auch: Frauen wollen Gleichberechtigung, sind aber auch oft nicht dazu bereit, gleich viel zu leisten. Wenn es bspw. darum geht, dass frau zum Heer geht. Viele wollen das nicht – für Männer ist es Pflicht.

    Aber im Großen und Ganzen stimme ich dir zu – ich wollte nur sagen, dass es nicht nur an den anderen liegt – aber das tut es doch nie (;

    Liebe Grüße,
    Casey

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