Musikwelt

“Schwarzbraun ist die Haselnuss” – was tun mit solchen Songs?

Mittlerweile ist Jan Delay ein wenig zurückgerudert und gesteht sich im Ton vergriffen zu haben, als er in einem Interview Schlagersänger Heino als Nazi bezeichnete.

Was war passiert?

Jan Delay wurde in einem Interview einer österreichischen Zeitung auf Heinos Album Mit freundlichen Grüßen mit Coverversionen deutscher Rock- und Popsongs angesprochen und reagierte hierauf äußerst ungehalten.
Seine Worte:

“Das war wirklich schlimm. Wir haben extra nichts gesagt, weil wir ihm kein Forum geben wollten. Alle sagten plötzlich: Ist doch lustig, ist doch Heino. Nee, das ist ein Nazi. Das vergessen die meisten Leute, wenn die Leute über Heino reden. Der Typ hat in Südafrika während der Apartheid im Sun City gesungen. Sein Repertiore: Schwarzbraun ist die Haselnuß, Soldatenlieder […]”

Mit dem Vorwurf ein Nazi zu sein, sieht sich niemand gerne konfrontiert. So auch Heino, der nun rechtliche Konsequenzen aus der Sache ziehen möchte.

Schwarzbraun ist die Haselnuß

Für Heino ist die Sache klar: Jan Delay ist nicht genau informiert. Bei dem umstrittenen Song handle es sich nämlich nicht um ein Nazilied, sondern um ein Volkslied, welches von den Nazis für ihre Zwecke missbraucht wurde.
Die Tatsache, dass das Naziregime nur allzu gern auch Musik für ihre Zwecke missbrauchte, ist keine neue Erkenntnis. So auch in diesem Fall: Die Wurzeln von Schwarzbraun ist die Haselnuß sind lange vor den Nazis zu finden. Eine Vorform des Liedes entsteht bereits 1790. Lange vor Hitler und seinen schwachsinnigen Ideen. Das hielt das Regime allerdings leider nicht davon ab Schwarzbraun ist die Haselnuß mit einem abweichenden Text als Soldatenlied der Wehrmacht für seine Zwecke zu missbrauchen.

Soweit die Fakten: Lieder, die eigentlich kein rassistisches Gedankengut transportieren, wurden von den Nazis für ihre Zwecke missbraucht.

Darf man solche Lieder trotzdem singen?

Eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist sicherlich schwierig. Stücke, die die Nazis missbraucht haben, werden immer furchtbare Assoziationen mit dem 3. Reich auslösen. Man könnte allerdings argumentieren, dass das Lied an sich ja nichts dafür könne und in seiner (selbstverständlich ursprünglichen und nicht von den Nazis abgeänderten Form) daher auch gesungen werden dürfe.
 
Wie man diese Sache handhabt, ist schwer zu entscheiden. Richtig und falsch nicht eindeutig voneinander zu trennen. Ich persönlich bin bei so etwas sehr vorsichtig. Möchte die Gefühle anderer nicht verletzen. Nicht mit einer Gesinnung, die ich für unheimlich hirnverbrannt und zudem noch überaus gefährlich halte, assoziiert werden. Würde es daher bleiben lassen. So wie Heino hätte ich die Sache wohl nicht gehandhabt.
Aber: Nicht jeder, der ein Lied wie Schwarzbraun ist die Haselnuß singt oder Stücke von Wagner (der mit seinen antisemitischen Ansichten und Äußerungen nur allzu gern als Propagandamittel herhalten musste) spielt, muss gleich ein Nazi sein.
Allerdings ist klar: Mit solchen Liedern und der damit verbundenen Thematik ist vorsichtig umzugehen. Immer noch. Sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung. Das zeigt die aktuelle Debatte um Jan Delays Aussage sehr deutlich.

4 thoughts on ““Schwarzbraun ist die Haselnuss” – was tun mit solchen Songs?”

  1. Heino war nie so mein Fall, auch wenn er letztes Jahr in Wacken war, was ich stark fand.

    Ich weiß nicht, wie ich darauf reagiert hätte, aber das zeigt, welch geistig Kind dieser Jan ist, der irgendwie Aufmerksamkeit wollte und vielleicht VORHER darüber nachdenken sollte, WAS er über WEN sagt. Auch heute noch gibt es Grenzen bei gewissen Themen, was ich an sich ok finde, auch wenn wir heute über alles reden können sollten.

    Deinen Hinweis mit Wagner finde ich sehr gelungen – nur weil geistige Tiefflieger Musik für ihre Zwecke mißbraucht haben, hält es mich NICHT davon ab, sie zu mögen.

    LAUT hören : den Ritt der Walküren…HAch… 🙂

    LG

    Maccabros

  2. Tja, niemand wird gern als “Nazi” bezeichnet, aber Aufmerksamkeit ist für alle Künstler gut. Sowohl Jan wie auch Heino haben dadurch etwas Aufmerksamkeit gewonnen.
    Ob das so skandalträchtig ist das Heino vor X Jahren in Südafrika gesungen hat und das er das Haselnußlied singt bezweifele ich.
    lg 黒

  3. Cooles Blogkonzept, Madame! Mal was anderes, find ich sehr erfrischend. Ich stimmte bei dem Thema mal meinem Vorrednern zu: Da ging es in jedem Fall um Aufmerksamkeit. Jan hat ja grad seine neue Platte in den Läden und das war doch ne wunderbare Gelegenheit um ein bisschen Wind zu machen. Mit Heino habe ich mich (sowohl menschlich als auch musikalisch) bisher nicht auseinandergesetzt und ich möchte mir daher keine Wertung über seine Vergangenheit erlauben… Aber wie gesagt ist es schon sehr auffällig, dass die Vorwürfe pünktlich zum Release Date von Herrn Delay kommen und dann auch brav wieder zurückgenommen werden.

  4. hey Tina i live in Chile, south America, i don’t speak deutsch but this old song is very good, and Heino is the best singer, what a voice!!!!

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