Kolumne Lifestyle

Musikmachen – nur was für Besserverdiener?

IMG_59Zahlreiche Studien wollen es bereits bewiesen haben: Kinder, die Musik machen, sind besser in der Schule, Musikmachen ist gut für die Entwicklung und fördert ein positives Sozialverhalten,…Ob das nun alles auch genau so stimmt und sich nicht auch durch andere Hobbys entwickeln kann, ist eine andere Frage. Allerdings können sich die Meisten wohl darauf einigen, dass Musikmachen als Hobby für Kinder tendenziell eine gute Sache ist. Sollte dann nicht auch gleichzeitig jedes Kind die Möglichkeit besitzen ein Instrument oder singen zu lernen, wenn es das möchte?
Das geht auch: Schließlich können Eltern ihre Kinder bei einer Musikschule anmelden ohne jemanden fragen zu müssen. Soweit jedenfalls die Theorie. Die Praxis sieht meinen Erfahrungen zufolge leider häufig deutlich anders aus. Musikunterricht ist teuer. Das dazugehörige Instrument meistens auch. Dazu kommen auch noch zusätzliche Kosten für Noten, Anfahrt,…Hier kommt dann schnell eine Summe zusammen, die für einige Eltern schlicht nicht bezahlbar ist. Auch ich habe schon einige Kinder gesehen, welche die Musikschule nicht mehr besuchen konnten, weil ihre Eltern den Unterricht nicht mehr bezahlen konnten. So gern sie es auch gewollt hätten. Zurück blieben traurige Kinder, die nur aufgrund des Kontostandes ihrer Eltern nicht dieselben Chancen wie ihre Klassenkameraden erhielten.

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Klavier, Geige und Co – ein Privileg?
Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. In einem Dorf, in dem die Zeit ein wenig stehengeblieben zu sein scheint. Wer hier als “gut bürgerliche” Eltern etwas auf sich hält, schickt seine Kinder zum Klavier- oder Geigenunterricht. Genau wie der Ballettunterricht gehört es einfach zum guten Ton. Wer sich das nicht leisten kann, fällt direkt auf. Schließlich haben es sich einige Mütter zur Aufgabe gemacht über ihre Kinder miteinander zu konkurrieren.
Hier ist es durchaus so, dass der Musikunterricht als Statussymbol herhalten muss und daher durchaus ein Privileg für Besserverdienende darstellt.

So sollte es aber meiner Meinung nach nicht sein
Gott sei Dank gibt es Menschen, die derartige Zustände ungerecht finden und versuchen jedem Kind die gleichen Chancen zu bieten. Etwa in der Form von Stipendien für besonders talentierte Kinder, kostengünstigen Gruppenunterricht, Leihinstrumenten, Übemöglichkeiten in den Musikschulen, kostenlosen Chören,…
Eltern, die sich also, trotz geringer finanzieller Mittel, Musikunterricht für ihre Kinder wünschen, sollten in jedem Fall nach solchen Möglichkeiten Ausschau halten.
Ich hatte Glück. Meine Freude an der Musik wurde erkannt und gefördert. Ich hatte die Möglichkeit eine Musikschule zu besuchen – und ich bin sehr dankbar dafür.
Da Weihnachten in meinen Augen auch dazu da ist an die Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht, plane ich in diesem Jahr auch etwas von meinem Geld genau für solche Projekte abzugeben. Es handelt sich zwar hierbei nicht um horrende Summen – schließlich verdiene ich als Studentin alles andere als viel – aber ich möchte einen kleinen Teil dazu beitragen die Welt ein wenig besser zu machen.
Damit das Musikmachen nicht (mehr) ein Privileg nur für Besserverdienende ist. So etwas sollte und darf nicht sein.

9 thoughts on “Musikmachen – nur was für Besserverdiener?”

  1. Ein toller Text! Ich bin dabei ganz Deiner Meinung. Musik tut Kindern gut. Ich habe früher bei einer von einem Musikverein geförderten Aktion Blockflöten-Unterricht für Kids gegeben und es war toll zu sehen, wie viele dabei richtig aufgeblüht sind. Übrigens: sehr schöne Fotos – das Lächeln auf dem ersten Bild ist doch schon mal super 😉 Liebe Grüße!

  2. Hat dies auf Red Skies over Paradise rebloggt und kommentierte:
    “Gott sei Dank gibt es Menschen, die derartige Zustände ungerecht finden und versuchen jedem Kind die gleichen Chancen zu bieten. Etwa in der Form von Stipendien für besonders talentierte Kinder, kostengünstigen Gruppenunterricht, Leihinstrumenten, Übemöglichkeiten in den Musikschulen, kostenlosen Chören,… | Da Weihnachten in meinen Augen auch dazu da ist an die Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht, plane ich in diesem Jahr auch etwas von meinem Geld genau für solche Projekte abzugeben. | Damit das Musikmachen nicht (mehr) ein Privileg nur für Besserverdienende ist. So etwas sollte und darf nicht sein.”

  3. Uuuuuuh Mütter die über ihre Kinder konkurrieren…. echt verdammt böse sowas… gibts bei uns immer noch. unfassbar oder?! wir sind ca 5 Familien die alle jeweils 2 kinder haben. Nummer 1 in meinem Alter, Nummer 2 im Alter der Schwester… und eine Mutter zieht das bis heute gnadenlos durch!!! Das ist echt unfassbar! Und es wird halt auch null auf das Wohl des Kindes geachtet dabei.
    Das mit dem Musikunterricht ist traurigerweise halt echt wahr. Wenn man schon überlegt, was man heutzutage alles an Geld für die Schule ausgeben muss und wie sehr sich auch der ganze “Lifestyle” von Kindern verändert hat… das muss man sich echt erstmal leisten können. Wenn dann noch Nachhilfe dazu kommt -> Gute Nacht!
    Daher find ich es auch toll, wenn Leute privat für wenig Geld Musikstunden geben. Mein Exfreund hat das z.B. gemacht, er hatte selbst geldmäßig ein klein wenig davon, hatte zusätzlich aber euch freude daran es dem jungen beizubringen.

    Finds toll, dass du dich da so engagierst! Und es muss ja gar nicht viel sein, wenn viele leute das mit kleinen Beträgen machen kommt oft mehr zusammen, als wenn ein einzelner viel in die kasse wirft.
    Tolle Bilder auch und der Schal sieht voll toll aus an dir. Das grün kommt super mit deinen Haaren 🙂

  4. Tina, das ist ein ganz toller Beitrag! Ich finde es klasse, das du dich für die Dinge engagierst, die dir am Herzen liegen. Das ist echte Größe! Ich bin als Kind in der musikalischen Früherziehung gewesen, ich habe Blockflöte und Gitarre gespielt und habe lange im Chor gesungen. Auch Ballett habe ich 9 Jahre lang gemacht, leider kam mit dem “fiesen” Pubertätsalter die Coolness ins Spiel und ich habe alles aufgegeben. Wenn ich deinen Beitrag so lese, bekomme ich ein schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber. Sie haben anscheinend eine Menge in meine Förderung investiert, welche am Ende keine Früchte getragen hat.

    Toll, dass du dich davon nicht umhauen lassen hast!

    Liebste Grüße, Lara

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