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Konzertknigge: Selfie Sticks

Selfies sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken – und damit die ganze Selbstknipserei auch möglichst oft und unkompliziert vonstattengehen kann, hat sich die Industrie etwas ganz besonders Tolles ausgedacht: Die Selfie Sticks. Die gibt es mittlerweile an jeder Ecke in den verschiedensten Farben für nur ein paar Euro zu kaufen. Die Dinger zu benutzen ist recht simpel: Einfach Handy oder Kamera in die an der Stange befestigte Halterung klemmen und es kann schon losgehen – per Knopfdruck am unteren Ende der Stange kann ganz bequem der Auslöser betätigt werden und das lästige Ausstrecken der Arme, was früher nötig war, um ein Foto von sich selbst zu machen, hat nun endlich ein Ende – hurra.

So weit, so gut

Ob so ein Stick das Leben einfacher macht, darüber kann man streiten. Es ist sicherlich ab und zu mal ganz nützlich, aber sind wir mal ehrlich: Dringend brauchen tut man das Teil nun wirklich nicht.
Als ich letztens zwei Mädels im Freibad sah, die trotz praktischem Selfie Stick so einige Verrenkungen anstellten, um ein möglichst schokoladenseitiges, instagramtaugliches Foto von sich zu machen, kamen mir an der Sinnhaftigkeit dieser Sache schon ein paar Zweifel.
Aber als ich auf dem AC/DC-Konzert in ca. 3m Entfernung rechts von mir plötzlich zwei Selfie Sticks mit einem Smartphone und einer GoPro bestückt sah, bin ich vom Glauben abgefallen.
Da stand ein junges Pärchen mitten im Publikum und filmte mit Hilfe der Selfie Sticks das komplette Konzert mit. Dass so etwas wegen der extrem schlechten Qualität dieser Videos (vor allem wenn man den Sound betrachtet) und der permanent gleichen Perspektive auf die Bühne eher wenig Sinn macht, habe ich hier schon einmal erläutert. Wie gesagt: Es ist kein Problem wenn jemand mal kurz ein Foto machen möchte (gerne auch ein Selfie mit sich vor der Bühne) und sein Handy oder eine Kamera kurz hochhält – aber das ganze Konzert? Das ist definitiv zu viel des Guten, denn
1. kommt qualitativ eher Mist dabei raus und
2. hält man die Kamera den Menschen hinter sich permanent vor die Nase – und das ist schlicht Mist.
Wer unbedingt ein Selfie von sich auf dem Konzert haben möchte ohne den Arm zu verrenken, kann ja zur Not auch einfach einen vertrauenswürdigen Konzertbesucher bitten kurz ein Foto zu machen.
Darüber hinaus: Um nicht unnötig zu wackeln und somit das ohnehin fragwürdige Ergebnis der Filmerei (die dazu auch noch nicht wirklich legal ist, sofern der Künstler den Videomitschnitten nicht zugestimmt hat) nicht zu gefährden, blieben die beiden den ganzen Abend wie festgewachsen auf ihrem Platz stehen. Nach Spaß sah das wirklich nicht aus.
 
Dabei gehe ich doch genau aus diesen Gründen auf ein Konzert: Um Spaß zu haben, eine Band, die ich mag, live zu erleben (nicht durch ein Display), dazu zu tanzen und mitzusingen. Wenn ich dann noch eine Aufnahme von dem Event haben möchte, bin ich dann auch gerne bereit etwas Geld in eine professionell erstellte DVD zu investieren. Mit gutem Sound und einer guten Kameraführung.
 
Bildquelle: eydreeyawn via pixabay. CC0 Public Domain Lizenz.

9 thoughts on “Konzertknigge: Selfie Sticks

  1. Oh, wie sehr ich diese Menschen mit Selfie-Sticks auf Konzerten verachte. Früher tat’s der Arm genauso… und mit einer GoPro wirklich das ganze Konzert mitzufilmen ist extrem dreist 🙁 Wenn sie den Film sehen wollen, sollen sie doch die DVD kaufen ^^ Mal den Lieblingssong oder so finde ich nicht schlimm, aber alles? Dumm. Einfach dumm.

  2. Boah, das ist auch ein EXTREMER Pet Peeve von mir. Ich verstehe es grundsätzlich nicht, dass Menschen ein komplettes Konzert abfotografieren oder -filmen müssen. Ein, zwei Bilder vom Lieblingskünstler sind völlig legitim, aber wenn du ihn ausschließlich durch die Linse deiner Kamera anstarrst, kannste genauso gut zuhause YouTube-Videos von einem Auftritt angucken – oder, wie von dir vorgeschlagen, ne DVD kaufen.

    Aber der Selfie-Stick setzt dem Kackhaufen definitiv die krönende Kirsche auf. Vor allem: AC/DC? Da hätte ich auf jeden Fall ein chilligeres, weniger auf virtuelle Selbstdarstellung ausgerichtetes Publikum erwartet. Ganz, ganz bitter.

  3. Nun ja – von diesen “Selbstbildhaltestangen” halte ich eh nichts und im Konzert haben sie meiner Meinung nach auch nix verloren – stören und /oder behindern andere und über den Sinn und Zweck von diesen kramphaft zwanghaften Selbstportraitbilder, könnte man/frau sich gewiss trefflich streiten… 🙂

  4. Ich find die Sticks halt fürn Gruppenfoto sau praktisch. Hab aber selber keinen. Wenn ich dann aber sehe, dass da jemand ein gesamtes Konzert mitfilmt, wird mir wieder schlecht. War aufm Queen Konzert (Kindheitstraum) und klar hab ich auch zwischendurch mal kurz geknipst aber da stand halt auch einer vor mir und der hat ebenfalls das GAAANZE Konzert durchgefilmt. Aber dann halt wenns spannend wird und die Band tatsächlich mal mit dem Publikum interargiert, wird die Kamera natürlich ausgemacht.. Na denn!! Seltsame Sache heutzutage.

  5. Ahhh ja! Das verstehe ich auch nicht. Ich meine, okay, ich mache auch ein paar Fotos, oder filme mal ein Stück. Aber das auf Dauer zu tun und dann am besten noch das halbe Konzert, wie du schreibst?? Versteh ich auch nicht. Das muss doch super lame sein!
    Die Anzahl der Fotos, die ich auf einem Konzert mache, ist über die Jahre auch gesunken, weil ich gemerkt habe, dass ich mir die 50 Bilder, von denen sowieso 70% verwackelt sind, eh nicht mehr so oft danach anschaue 😀

    Ich hoffe mal, dass Selfie-Sticks einfach demnächst wieder out sind…

  6. Ich gebe dir da voll und ganz recht. War vor kurzem auf nem kostenlosen und eher total spontan Konzert von einer Band deren Namen ich bis dato nicht kannte und da waren auch alle Handys oben. Kurz ja, ist okay, kann ich verstehen – gebe zu habe ich auch kurz gemacht. Aber die ganze Zeit ist es so übertrieben und einfach nur nervig..

  7. Ich frage mich immer, was die Leute mit den ganzen Filmen machen, die ja weder in Sachen Bild noch Ton gut sein können. Schade, im Grunde nehmen sie sich doch das Erlebnis, live dabei zu sein…

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