Kolumne, Musikwelt

Konzertknigge: Kreischalarm

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Zugegeben, in dieser Welt, um die es heute geht, habe ich mich nur sehr kurz ausgekannt. Genau gesagt ca. 1 Jahr. Danach war es auch schon wieder vorbei. Genau so schnell wie es gekommen war.
Ich spreche von meiner Teeniezeit. Selbstverständlich dauerte die länger als ein Jahr, aber bei diesem einen Lebensjahr von 14-15 kann ich mich nicht davon freisprechen ein kleiner Teeniefan gewesen zu sein. Zwar absolut nicht die Hardcorevariante mit hinterherreisen (meine Eltern hätten das auch zu unterbinden gewusst) und heulend zusammenbrechen vor Konzertbeginn, aber: Ich war Fan einer Boyband. (Es handelte sich hierbei um die Band Busted – sollte euch das jetzt nichts sagen, lasst euch gesagt sein: Das ist nicht weiter schlimm 😉 )
 
Ich kann mich noch einigermaßen gut an dieses eine Jahr Fandasein für eine Boygroup erinnern und würde deshalb behaupten, dass ich mich – zumindest grob – in das Gefühlsleben eines jungen Mädchens, das ihrer Lieblingsband auf einem Konzert das erste Mal live begegnet, hineinversetzen kann.
Was ich aber schon damals nicht verstanden habe und bis heute nicht verstehen kann, ist dieser extreme Geräuschpegel, verursacht durch hysterisches Gekreische gemischt mit ordentlich Tränen, der vorzugsweise bei Konzerten von Boybands entsteht.
Denn jetzt mal ganz ehrlich liebe (primär weibliche) Teenies:

Was soll das?

Denn so lange ich auch überlege: Die ewige Kreischerei ergibt nicht nur einfach absolut keinen Sinn, sie ist zusätzlich auch noch extrem kontraproduktiv. Schließlich ist es weder besonders attraktiv die ganze Zeit angeschrien zu werden (und ich dachte man möchte als richtiger Fan auch gut bei der Lieblingsband ankommen), noch ist es gut für die eigene Stimme. Und zu allem Überfluss kann man die Musik, wegen der man ja (wenigstens ein bisschen) auch da ist, nicht hören. Im Extremfall keinen einzigen Ton. Tinnitus von der ganzen Schreierei der anderen inklusive.
Nicht die Art, wie ich mir ein schönes Konzert vorstelle.

Vielleicht bin ich ja zu alt

Mittlerweile bin ich alt genug, um zu wissen, dass die Stars auch nur mit Wasser kochen. Ich gehe hauptsächlich wegen der Musik auf Konzerte und bewege mich rein musikalisch betrachtet in Genres, in denen Hysterie und Gekreische unangebracht und in einer Alterkategorie, in der derartiges Verhalten schlicht uncool und unsexy – ja sogar peinlich ist.
Bisher bin ich davon ausgegangen, dass nach seiner Boybandzeit zwangsläufig jeder irgendwann einmal an diesen Punkt kommt. Zumindest an den mit dem Alter. Was soll ich sagen? Ich habe mich getäuscht. Gewaltig.
Denn ganz egal, ob die Backstreetboys, Robbie Williams oder Johannes Strate (für den ich vor einiger Zeit auch mal mit bei Bühnenaufbau und Co geholfen habe): Überall entdecke ich pure Hysterie von Frauen – und das sind keine Teeniemädels mehr, sondern gestandene Frauen von 30-60! Frauen, die eigentlich mit beiden Beinen fest im Leben stehen, stehen heulend vor einer Bühne und schreien sich die Seele aus dem Leib. Denn Sinn davon werde ich wohl nie verstehen. Wahrscheinlich, weil der Sinn in diesem Fall nicht existiert.
 
 
Bildquelle: Daniel Robert Dinu/www.unsplash.com

3 thoughts on “Konzertknigge: Kreischalarm

  1. nun ja – diese Kreischorgien gab es schon zu Zeiten der Beatles und wenn es auch zahlenmäßig die holde Weiblichkeit war, so gab und gibt es auch die männlichen Kreischer.

    Das Warum? Hm – es mag am “Gruppenzwang” liegen, an der Atmosphäre,oder der Nervosität, dem “Star” nahe zu sein.

    Gut – einen sittlichen Nährwert hat das nicht und ach das Alter schützt vor Torheit nicht.

    Nehmen wir es wie es ist – auch bin dem “Wahn” entkommen, aber andere scheinen nie erwachsen zu werden – jedenfalls in dieser Hinsicht…

    LG

    Maccabros

  2. Vielleicht begleitet du deine Mutter mal zu nem Howard carpendale Konzert o.ä…. Möglicherweise wirst du dann auch viel gesprachsbedarf mit ihr haben 😉

  3. Haha! Ich glaube das hat nichts mit dem Alter zu tun. Das ging mir schon mit 14 auf meinem ersten richtigen Konzert (ohne Eltern) so gegangen. “Boah, wieso schreien die denn so?” Genau so wie das Drängeln, Schubsen und Pogen. Gut letzteres passt jetzt hier nicht ganz ins Bild, aber muss das sein? Sich zu quetschen und erdrücken nur um näher an der Bühne zu sein? Klar bin ich auch gerne weit vorne, damit ich mit meinen paar Zentimeter auch etwas sehe. Aber ich hab lieber ein bisschen Platz und genieße das Konzert, als mich nur drüber aufzuregen, dass mich ständig jemand stößt oder ins Ohr schreit!
    Klar jubelt man seinen Idolen zu, aber man muss halt echt nicht alles Volumen aus der Stimme rausholen, was geht und vor allem nicht in der höchsten Oktave!

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