Kolumne

Is’ das Kunst oder kann das weg?

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Es ist ein ganz normaler Tag in London. Einige Werke des Künstlers Gustav Metzger werden hier ausgestellt. Unter den Ausstellungsstücken: Ein transparenter Müllsack, der mit Zeitungen und Papier gefüllt ist. Er wird von der Putzfrau fälschlicherweise für Abfall gehalten und kurzerhand entsorgt. Geschichten wie diese gibt es immer wieder. Sie zeigen: Kunst ist durch und durch subjektiv – und wird eben nicht immer als solche auch erkannt und gewürdigt.

Lustige Geschichte oder Skandal?

Ist das Kunst oder kann das weg? Über diese Frage scheiden sich häufig die Geister. Die einen werden die Handlung der Putzfrau wohl sehr gut nachvollziehen und über die Geschichte gelacht haben, andere hingegen entsetzt gewesen sein. Für beide Parteien habe ich Verständnis.
Kunst ist nicht immer offensichtlich. Nicht immer eindeutig und daher nicht immer von jedem in bestimmten Situationen auch als solche erkennbar. Daher werden wohl die wenigsten von sich behaupten können, ihnen wäre solch ein Irrtum niemals unterlaufen.
Gleichzeitig jedoch hat der Künstler sich sehr wohl etwas bei seinem Werk gedacht. In diesem Fall wollte er die Vergänglichkeit sowie Selbstzerstörung der Kunst darstellen. Vor diesem Hintergrund macht ein mit Papier gefüllter Müllbeutel durchaus Sinn.

Und jetzt?

Es gibt ein kölsches Sprichwort:Leben und leben lassen (aus Rücksicht auf die Nicht-Kölner verwende ich direkt die hochdeutsche Übersetzung.
Ich denke in diesem Satz ist eigentlich alles enthalten was bei diesem Thema wichtig ist: Kunst ist und bleibt subjektiv – das ist gut so und so soll es auch bleiben. Und während der eine etwas schafft, was in seinen Augen eine wichtige Botschaft vermittelt, liegt es ganz allein an dem anderen zu entscheiden, ob der diese Botschaft auch versteht oder die ganze Sache als ziemlich unsinnig empfindet.
Im letzten Fall sollte er die Kunst dann einfach Kunst sein lassen und sich nicht weiter dran stören. Und sollte es dann doch wieder einmal passieren, dass Kunst versehentlich nicht als solche erkannt wird, bleibt dem Künstler selbst sowieso nur, den Fall mit Humor zu nehmen.
 
Bildquelle: www.unsplash.com

4 thoughts on “Is’ das Kunst oder kann das weg?”

  1. Ja, was Kunst ist darüber lässt sich trefflich streiten – in diesem Zusammenhang fällt mir die Badewanne mit Fett von Beuys ein, wo auch jemand eine Reinigung für notwendig hielt :

    http://www.spiegel.de/einestages/skandal-um-beuys-badewanne-a-947414.html

    Meiner Meinung nach ist das gewiss keine Kunst gewesen, da ich Kunst mit Seltenheit und Schönheit und Fertigkeit identifiziere (subjektiv), aber auch hier kann jeder seine Meinung haben, da ja angeblich der Mensch an sich ein Kunstwerk ist, je nachdem wie sie / er sich darstellt oder wahrgenommen wird…

    LG

    Maccabros

  2. Also es ist ganz klar, dass Kunst Geschmacks- und Anssichtssache ist. Aber wenn ich höre, dass jemand ein wunderschönes Detail reiches, unglaublich tolles Bild nicht verkauft bekommt und ein anderer für eine weiße Leinwand mit lediglich einem farbigen Klecks irgendwie trölf Milliarden Euro bekommt, dann weiß ich nicht mehr so recht was ich davon halten soll. Dann ist diese Kunstsache halt wirklich nicht meins!

  3. Ja, die Geschichte kommt mir doch sehr bekannt vor, und wäre mir wohl genauso passiert (wobei ich glaub ich in einem Museum oder einer Galerie überhaupt gar nichts anfassen würde, aus Angst, etwas wichtiges zu vernichten, aber das nur so am Rande). Für mich muss Kunst etwas in mir auslösen, mich ansprechen und faszinieren, mir etwas übermitteln oder meinen Blick fesseln (im positiven Sinne). Das können nämlich nur ganz wenige, und das ist es, was einen aus der Masse hervorhebt.

    Toller Post wie immer!

    Liebe Grüße
    Nicole

  4. Bei Moderner Kunst habe ich oft den Eindruck, dass die eigentliche Kunst darin besteht Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ein Skandal bei dem das Kunstwerk fast zerstört wurde, schafft da natürlich Bekanntheit. Seit Joseph Beuys Fettecke sollte sich unter den Putzfrauen und Museumsdirektoren doch herumgesprochen haben, dass abstrakte Werke “müllähnlich” sein können. Für mich höhrt sich die Metzger Geschichte von 2004 nach einem PR-Gag an. Auch wenn ich mich schon in Ausstellungen mit Moderner Kunst verirrt habe, denke ich mir oft, dass dieses Genre recht elitär und nicht für mich gedacht ist.

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