Kolumne

Geld oder Prinzipien?

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Oder: Das Problem mit den Billigpreisen

Darüber, dass Musiker häufig gefragt werden, ob sie denn nicht umsonst irgendwo auftreten möchten, habe ich mich ja bereits aufgeregt. “Nichts ist umsonst”– aus diesem Grund schauen viele, dass sie dann eben möglichst günstig an die jeweiligen Leistungen herankommen.
Und wer lange genug sucht, wird am Ende meistens fündig. Genau hier liegt das Problem. Wie bei vielen unheilvollen Dingen handelt es sich hier um einen Kreislauf, der nicht ganz einfach zu durchdringen ist.

Irgendwo umsonst zu arbeiten lehne ich grundsätzlich ab. Es sei denn es ist für meine Freunde oder dient einem guten Zweck. Aber auch bei der Frage, ob ich denn auf der Hochzeit des Bekannten eines anderen Bekannten, dessen Kumpel,… in Dorf XY für einen sagenhaften Lohn von 70€ singen möchte, dreht sich mir trotzdem der Magen rum. Denn nach Abzug aller Unkosten (von der noch nicht eingerechneten Bezahlung einer Begleitung mal ganz abgesehen) bleibt von diesem Betrag nur ein sehr geringer Gewinn übrig. Einige wollen, andere können nicht mehr bezahlen.

Das ist nicht nur in der Musik so: Fotografen sollen ebenfalls für 100€ den ganzen Tag eine Hochzeit begleiten und müssen im Anschluss daran noch massig Bilder bearbeiten, einige Auftraggeber wollen für ihre Texter 2 Cent pro Wort zahlen, ausgebildete und studierte Lehrkräfte unterrichten für einen Betrag, bei dem das dazugehörige Institut die dreifache Summe kassiert – und von Zimmermädchen oder Paketboten, die für unfassbare 2€ und weniger die Stunde arbeiten müssen, will ich mal gar nicht erst anfangen.

Eigentlich ist die Antwort auf solche Fragen klar: Den Job nicht annehmen, wenn man in diesem vollkommen unterbezahlt wird. Denn je häufiger Auftraggeber mit ihren Billighonoraren durchkommen, desto mehr werden sie versuchen den generellen Marktpreis zu drücken. Wieso sollte auch jemand 200€ für die Musik bei seiner Hochzeit ausgeben, wenn er auch 70€ bezahlen kann?
Trotzdem fällt es einem nicht immer leicht solche Angebote abzulehnen. Schließlich bedeutet kein Job gleichzeitig auch immer kein Geld – und das kann man sich eben auch nicht immer leisten. So heißt es also dann nicht selten: Besser 70€ für 2 Tage Arbeit (Proben mit eingerechnet) als gar nichts.
Und so erwische auch ich mich bei eigentlich ziemlich unverschämten Angeboten immer mal wieder bei dem Gedanken: “Mach ich das jetzt? Ein bisschen mehr auf dem Konto schadet ja nie…”

Dabei kann es doch eigentlich nicht so schwer sein Menschen für ihre Arbeit angemessen zu bezahlen. Nicht zu viel, aber eben auch nicht zu wenig. Eben einfach angemessen.

8 thoughts on “Geld oder Prinzipien?”

  1. hallo,
    es ist leider so und wird sich nicht so schell aendern. Man muss auch erwaehnen, dass es oft ein uberangebot an Musikbands gibt. Man findet in jeder Stadt Coverbands und andere. Diese Coverbands bekommen oft viel mehr Geld als Bands die ihre eigene Musik spielen.

    Dazu macht der Name der Band viel aus. Eine unbekannte Band bekommt viel weniger als eine Band die Bekannt ist. Voellig klar.
    Ich beobachte das Kuenstler Geschaeft seit fast 10 Jahren und muss echt sagen, wegen den Geld macht man keine Kunst. Ist das ein Grundprinzip und entwickelt man seinen eigenen Stil kommt der Erfolg von ganz alleine. Das kann dauern ist aber moeglich.

    Vielleicht ist das die letzte Moeglichkeit in dieser Zeit, das Streu vom Weizen zu trennen.
    Da wirklich gute Musiker die die Musik leben auch ueberleben.

    peace

  2. Den Preis meinen viele zu kennen, aber der wahre Wert scheint nicht bekannt zu sein. Dieses immer und überall billig und möglichst umsonst ist eine Krankheit.
    Wer von denen, die Dir so einen Job anbieten, würde für ein vergleichbares Salär in seiner Sparte arbeiten?
    Aber im Grundsatz hast Du Recht – allem kann man/frau sich nicht verschließen und so werden wir u.U. mehr bekannt und bekommen (?) später bessere Angebote.
    Darüber hinaus – schönes Foto und irgendwie habe ich es verpasst – die Haarfarbe ist Natur oder das Blonde? Steht Dir beides, auch wenn ich blond ein wenig mehr mag (bin es selber)… 🙂

    LG

    Maccabros

  3. Schöner Artikel!

    Das Problem kenne ich leider auch. Ich habe den Eindruck das von den Gebieten, die du genannt hast (Musik,Fotografie, Texte schreiben) die Fotografie am stärksten von dem Problem betroffen ist.
    Bei Musik wird ein gewisses Können annerkannt. Auch Menschen die gut schreiben können sind nicht so häufig. Aber “Fotografieren” das kann doch jeder!!! Oder?

    Meine Einschätzung kommt daher, das die Kameratechnik sehr gut und günstig geworden ist und auch die Bildbearbeitung mittlerweile einfacher ist. Das verstärkt den Eindruck
    “Fotografieren kann ja jeder und für 150€ eine Hochzeit fotografieren muß wohl drinn sein.”

    Wenn dann die Gegenleistung von einem richtigen Profi erwartet wird kann da aber etwas nicht stimmen.
    Das Professionelle Hochzeitsfotografen oft den Ausrüstungswert von einem Kleinauto mit sich herumschleppen (2ter Kamerabody und Objektive ect.) realisieren die meisten Menschen nicht, die unbedarft einen Hochzeitsfotografen für den Preis anfragen.

    Andererseits werden Hochzeiten oft auch sehr gut bezahlt. Deswegen sagt einer der in Deutschland bekannten Fotografieblogger & Hochzeitsfotograf “Stilpirat” folgendes: Er sucht sich die Kunden raus die seine Bilder mögen und die Ihn als Fotografen wollen. Die Zahlen dann auch den Preis. Wenn leute nach dem Preis fragen, weiß er das der Auftrag nichts wird.
    Sowas klappt natürlich nur, wenn man einen entsprechenden Ruf hat.

    Allgemein denke ich das man bei der Frage “Geld oder Prinzipien” auch differenzieren muß ob einem der Job etwas bringt (Refferenzen, neue Kunden ect…). Ich kenne selbst eingefelischte Profis die gewisse Projekte “subventionieren” bzw. Stammkunden “Rabatte” geben ect.

    Es darf natürlich nicht sein, dass man dauerhaft unter einem Gewissen Betrag arbeitet.

    LG
    Stephan

  4. Das ist wirklich ein bekanntes Problem. Mittlerweile sind wir eben gewöhnt, vieles umsonst/besonders billig zu bekommen, sodass die Erwartungshaltung groß ist und man kaum mehr Geld für etwas ausgeben möchte. Da muss man wirklich oft Nein sagen und darf sich nicht ausbeuten lassen, sonst ist man selbst schuld an dem Teufelskreis..

    Super schönes Bild übrigens 🙂

    Liebe Grüße
    Miss Annie
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  5. Pi mal Daumen rechne ich bei jemanden mit Ausbildung in einem Bereich mit einem Stundenlohn von mind. 30€/h – allein für die erlente Fähigkeit. Eine Bekannte von mir ist Psychotherapeutin und verlangt 100€/h (Ausbildung ist auch sauteuer und für längere Zeit ein Verlustgeschäft), bei Nachhilfestunden von Musikprofis (Ausbildung+Erfahrung, Musikstudierende würde ich eher bei den 30€ ansetzen) rechne ich mit etwa 60€. Das ist alles noch OHNE Spesen wie Anfahrt, Technik usw. (wobei der Bekannten die Kosten für die Räumlichkeit schon inkludiert ist).

    Mit der Rockband, wo wir grad zwei- bis dreimal die Woche proben (neben Vollzeitbeschäftigungen bei 3 von 5 Mitgliedern, ich als Student hab’s da noch etwas leichter und der andere Kollege ist in Frühpension) wollen wir etwa 1000€ pro Auftritt verlangen, sobald wir etabliert sind. Bis dahin müssen wir auch noch in kleineren Lokalen spielen, jetzt grad ist das Minimum 400€. Ich versteh Lokalbesitzer, die für einen “unbekannten Namen” weniger Geld in die Hand nehmen – auch ein Ruf ist etwas wert, vor allem wenn der Umsatz vermutlich geringer ist, wenn die Band noch nie gespielt hat.

    Ich persönlich glaube ja dass Musiker es deswegen so schwer haben, weil a) sie eh “nur” zur Unterhaltung dienen und b) die Ansprüche an die Qualität heutzutage so niedrig sind, dass man auch ohne Ausbildung die Leute in verschiedenen Lokalitäten einfach unterhalten kann.

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