Kolumne

Eine Frage des Geldes…

_MG_2971

Was mich zu diesem Post heute verleitet ist pure Verärgerung:

Ich wurde gefragt, ob ich denn nicht jemanden kennen würde (oder eben selbst dazu in der Lage wäre), der für „kleines Geld“ bei einer Party als DJ auflegen könnte. Soweit so gut – daran noch nichts Schlimmes. Als ich jedoch nachhakte, wie viel denn „kleines Geld“ sei (schließlich ist da immer ein gewisser Interpretationsspielraum), platzte mir kurzfristig der Kragen: die gute Frau verstand unter klein nämlich nichts.

Sprich also sie suchte jemanden, der gerne DJ ist und sich geehrt fühlen würde bei ihrer Party sein Können umsonst (schließlich ist es ja sein Hobby) vorzuführen. Hallo???

Selbstverständlich klingen die Gagen von Musikern tatsächlich zuerst einmal nahezu paradiesisch. So klingen z.B. schon 100€ für das Singen bei einer Hochzeitsmesse nach einem Traumgehalt – v.a. weil so eine Messe natürlich nicht allzu lange dauert und auch nicht permanent mit Musik unterlegt wird. ABER:

 

Logistik

Fangen wir mit dem Grundproblem an: der Auftritt findet selbstverständlich nicht immer direkt vor der Haustüre statt – man hat also eine Anfahrt. Da man in der Regel auch gewisses Equipment (Kabel, Instrumente,…) mitbringen muss, ist günstiges Bahnfahren auch nicht drin – es entstehen somit immer nicht ganz unerhebliche Anfahrtskosten, die natürlich die Gage in die Höhe treiben.

Vorbereitung

Zusätzlich hierzu muss man – jedenfalls meistens – auch etwas können, um engagiert zu werden. Sich dieses Können anzueignen kostet Geld – und zwar eine Menge! Allein schon der Unterricht in der Musikschule, Noten, Zubehör, Instrumente und deren „Wartung, Bühnenoutfits, Probenraummiete…werden beispielsweise bei mir eine Summe gekostet haben, für die man sich bestimmt einen Mittelklassewagens zulegen kann. Und: je besser man wird, desto kostenintensiver wird die ganze Sache. Qualität hat bereits hier ihren Preis.

Zusätzlich dazu besteht bei jeder Veranstaltung auf der man spielt eine gewisse Erwartung. Brautpaare möchten ihr Lied hören, die Karnevalsgesellschaft die neuesten Karnevalshits (was übrigens auch längst nicht immer dem eigenen Musikgeschmack entspricht), etc. Das hat neben Abgaben an die liebe GEMA natürlich auch einige Proben zur Folge – es wird also mehr Zeit investiert als nur die Dauer des Auftritts.

Die Zeit

Geheiratet, gefeiert und Co wird natürlich wann? Genau, abends und/oder am Wochenende. Sprich also: außerhalb der „normalen“ Arbeitszeiten – eben dann, wenn fast alle anderen frei haben.

Selbstverständlich sind diese Punkte eigentlich jedem Musiker bewusst und natürlich ist man bereit all diese Dinge zu akzeptieren dafür, dass man mit dem was man gern macht auch ein wenig Geld verdienen kann. Allerdings finde ich die Frage, ob jemand an einem Samstag, mehr als 5 Stunden lang in einer anderen Stadt mit eigenem Equipment bei einer Party mit konkreten Musikwünschen vollkommen umsonst für Musik sorgt, genau deswegen unverschämt. Das habe ich der guten Frau dann auch sehr deutlich gemacht und hoffe sie überlegt das nächste Mal zuerst, wie viel Arbeit und letztendlich auch Geld hinter „ein bisschen Musik“ in der Regel steckt. Schließlich frage ich ja beispielsweise nicht, ob sie nicht einen Koch kennt, der Lust hat Samstags mit sämtlichen Zutaten zu mir zu kommen und unentgeltlich meine Freunde und mich zu bewirten.

14 thoughts on “Eine Frage des Geldes…

  1. Das ist wirklich eine Unverschämtheit!
    Würde dieses “Konzert” zumindest eine Art Promotion für den Künstler sein, könnte ich es eventuell sogar nachvollziehen.. aber so?
    Das ist einfach eine bodenlose Frechheit!

  2. Ich beobachte allgemein, dass viele Musiker sehr häufig ohne eine Gage auftreten. So etwas gehört sich nicht. Nichts ist umsonst und das sollte man akzeptieren.

  3. Es ist schon wirklich erschreckend, wie dreist manche Leute sind. Aber leider ist es sehr heufig so, dass Menschen für Dinge, die in die Kategorie Unterhaltung/Kunst fallen, kein Geld ausgeben wollen oder den Wert dahinter nicht erkennen (wollen).

    1. 😀 wirklich sehr passend – leider werden solche Anfragen tatsächlich immer häufiger und sind dann wirklich traurige Realität geworden…

  4. Ooooooh glaub mir, das kenn ich sooooo sooo gut!
    Ich werde das generell gefragt wenn jemand heiratet oder nen großen Geburtstag hat und es drum geht entweder die Veranstaltung zu filmen, oder für die Veranstaltung etwas zu filmen unf zu schneiden. Gerne auch Fotos machen!!! Gern auch bei Freunden auf der Hochzeit, wo man nicht gerne einfach nur Gast wäre, sondern natürlich wahnsinnigen Spaß daran hat für NICHTS alles zu verpassen und Stunden der Freizeit für die Nachbearbeitung draufgehn zu lassen!

    Ich finds super, dass dir der Kragen geplatzt ist. denn meistens schafft mans dann doch nicht seine Meinung zu sagen, grad wenns bei Freunden ist.
    Ich denk immer die würden das selbst merken… mh tun sie NICHT!
    Mal davon abgesehen, hätte die Frau, die dich das gefragt hat wohl eher den Mittelfinger gezeigt, wenn man sie so etwas fragen würde! Das sehn die nämlich immer nur bei andren so und selbst würden sie genau gar nichts für umme machen!

    Da wird dann plötzlich immer gespart, aber für Kuchen und Co kann man das Geld zum Fenster rausschmeissen. Dabei find ich wenn die Musik gut ist, kann man auf fast alles andre verzichten.

    Also jedenfalls find ich den Post super und steh selbst zu 100% hinter deiner Argumentation und finds toll, dass es mal jemand ausspricht!

  5. Oh wow, das ist wirklich einfach unverschämt. Frag sie doch mal, ob sie auch umsonst arbeiten würde und wie sie sich dann ihre Lebensfinanzierung zu gestalten gedenkt…

Leave a Reply