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Ein Sieger, der auf seinen Preis verzichtet…

und warum das absolut richtig ist!

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Man stelle sich das einmal vor: Da nimmt ein Musiker, der schon berufsbedingt den Wunsch hegen muss, möglichst viele Menschen mit seiner Musik zu erreichen, am Vorentscheid des ESC statt und gewinnt. Doch statt sich unheimlich über seinen Sieg zu freuen, verkündet Andreas Kümmert plötzlich, er sei “nicht wirklich in der Verfassung, diese Wahl anzunehmen” und werde deshalb nicht beim Songcontest antreten. Die zweitplatzierte Ann Sophie wird nun in Wien für Deutschland singen.
Diese Entscheidung von Andreas Kümmert, doch nicht beim ECS antreten zu wollen, ist heute in aller Munde und wird viel diskutiert. Zahlreiche Spekulationen inklusive.
Einige können seine Entscheidung verstehen, andere fühlen sich vor den Kopf gestoßen: Er hat ja schließlich gewusst worauf er sich einlässt heißt es da. Hat er bestimmt – aber ist das wirklich so wichtig? Ganz sicher wird ihm bereits vor seiner Teilnahme am Vorentscheid klar gewesen sein, dass er von mehr als nur 2 Kameras gefilmt werden wird und dass auch deutlich mehr als 50 Menschen das Geschehen von dem heimischen Fernseher aus verfolgen würden. Aber ist das wirklich ein Argument?
Wahrscheinlich hat jeder von uns schon einmal Situationen erlebt, bei denen man sich vorher zwar vorstellen konnte, worauf man sich einlässt, die letztendlich aber doch schlimmer waren, als man es vorher erwartet hatte: Ein ernstes Gespräch mit einer Freundin, Prüfungssituationen, in denen unerwartete Fragen auftauchen,…-ich denke wir alle kennen so etwas.
In solchen Situationen gibt es dann zwei Möglichkeiten: Entweder Augen zu und durch oder man gesteht sich ein, der ganzen Sache doch nicht gewachsen zu sein und gibt auf. Eigentlich bin ich ein Fan von Möglichkeit 1. Ich versuche fast immer meinen Dickschädel durchzusetzen und bis zum Schluss zu kämpfen. Aber eben nur dann, wenn ich mir auch sicher bin, dass das, was ich da gerade tue, auch Sinn macht. Denn: Irrwege werden nicht besser, wenn man sie zu Ende geht.

Eigentlich ist es Mut und keine Feigheit

Den Verzicht von Andreas Kümmert finde ich persönlich mutig. Vielleicht hätte ihm vorher klar sein können, dass er sich nicht dazu in der Lage fühlt, in Wien anzutreten. Ist es aber offensichtlich nicht. Und dann, als es fast zu schon zu spät ist, trotzdem seinem Gefühl zu folgen und vor versammelter Mannschaft den Sieg abzulehnen, sich öffentlich einzugestehen, dass man sich geirrt hat, auch wenn einem bewusst ist, dass man hierdurch vielleicht einige Menschen vor den Kopf stoßen wird – so eine Entscheidung ist mutig.
Jeder hat das Recht, diese Entscheidung für sich zu treffen. Egal, was die anderen sagen. Die Möglichkeit sich zu irren und sich plötzlich doch gegen etwas zu entscheiden, etwas nicht mehr länger zu wollen oder zu können – dieses Recht hat jeder Mensch. In diesem Sinne: Hut ab Andreas Kümmert!
 
Bildquelle: César, licensed by Wikipedia Commons

5 thoughts on “Ein Sieger, der auf seinen Preis verzichtet…”

  1. Ich seh das genauso wie du. Sich so offen hinzustellen und zu sagen, einer Sache nicht gewachsen zu sein, nicht nur sich selbst eingestehen zu müssen, sich verschätzt zu haben, sondern auch einer unvorstellbaren Anzahl Menschen das gleiche zu sagen ist eine Sache, bei der ich nicht weiß, ob sich das viele trauen. Von daher ist es nicht nur sein gutes Recht, auszusteigen, sondern auch sehr mutig.
    Und ich kann verstehen, dass man es vielleicht nicht vorher weiß. Wenn man bei so einem Event wie dem Vorentscheid antritt, ist das schon eine sehr große Nummer, aber kein Vergleich zu einem europaweitem Wettkampf. Es ist ganz klar dass der Rummel da noch größer sein wird. Und allein der Vorentscheid ist wahrscheinlich schon viel großer gewesen als alles, das er bisher kannte…

  2. Stimme dir da auch zu:
    Es ist Kümmerts Entscheidung und wenn er nicht antreten möchte ist das sein gutes Recht.
    Auch wer seine Entscheidung nicht verstehen kann, sollte sich darüber nicht aufregen.
    Ob das seiner Karriere nützlich war steht auf einem anderen Blatt.
    Die Nr. 2 kann sich jetzt jedenfalls freuen, da sie die möglichkeit hat beim Contest in Wien mitzumachen.

  3. Ich bin ehrlich – mein erster Gedanke war auch – warum nimmt er überhaupt dran teil, wenn es die Möglichkeit gibt, zu gewinnen? Ebenso bei TVOG.

    Mittlerweile sehe ich es ähnlich – es ist ein Zeichen von Stärke, zu seinen Schwächen und Ängsten zu stehen und das noch vor laufenden Kameras.

    Auch wir trauen uns vorher mehr zu und erkennen später, dass es nicht geht – Hut ab vor Ihm und alles Gute, dass er seinen Weg geht…

    LG

    Macacbros

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