Musikwelt

Dur = fröhlich, Moll = traurig

Klingt ein Song fröhlich, so wird er wahrscheinlich in einer Durtonart stehen, klingt das Ganze eher traurig, so haben wir es wohl eher mit Moll zu tun – eine Regel, die einigen vielleicht noch aus ihrem Musikunterricht in der Schule bekannt ist. Tatsächlich ist dies eine Regel, die relativ zuverlässig ist. Aber warum ist das so? Warum klingen Stücke in Dur fröhlicher als in Moll?

Der Unterschied zwischen Dur und Moll

Um diese Frage beantworten zu können, sollte zunächst einmal der Unterschied zwischen Dur und Moll deutlich sein. Hierzu eine schlichte Tonleiter als Hörbeispiel:

–> Dur

–> Moll

Wo der Unterschied lag, hat wahrscheinlich jeder gehört. Während bei der Durtonleiter von Ton 3 zu Ton 4 und von Ton 7 zu Ton 8 ein kleiner Schritt (Halbtonschritt) genommen wurde, ist dieser Halbtonschritt bei der Molltonleiter zwischen Ton 2 und 3 und Ton 5 und 6 zu finden. Also quasi immer einen Ton vorher. Den Tonabstand zwischen Ton 1 und 3 in der ersten Tonleiter nennt man eine große Terz (wer Latein hatte weiß auch warum) und in der zweiten Tonleiter eine kleine Terz. So weit so gut. Allerdings erklärt das noch immer nicht, warum Tonleiter 1 in der Regel fröhlicher klingt als Tonleiter 2.

Die Wissenschaft hat festgestellt…..

dass bestimmte Tonabstände (Intervalle) in gewissen Stücken häufiger vorkommen als in anderen. Die große Terz kommt häufig in Songs vor, die auf einer Durtonleiter basieren und – wie sollte es auch anders sein – die kleine Terz ist in Stücken, die in Moll stehen, besonders dominant.

Von der Sprache zur Musik

Nicht umsonst existiert der Begriff Sprachmelodie. Es wurde festgestellt, dass Menschen, die sich gerade freuen, tatsächlich viel häufiger die große Terz in ihren Äußerungen verwenden. Im Gegensatz zu Menschen in trauriger Stimmung, die eher auf die kleine Terz zurückgreifen. Somit liegt eine Übertragung der gewohnten, stimmlichen Emotionalität auf die Emotionalität von Musik nahe.

Die Sprachtheorie kann jedoch meiner Meinung nach nicht einzig und allein der Grund dafür sein, weshalb Molltonarten so häufig als traurig empfunden werden. Vor allem, weil dieses Empfinden immer auch ein wenig von der Persönlichkeit des Zuhörers abhängig ist. Interessant ist diese These trotzdem – und tatsächlich glaube ich auch, dass an ihr etwas Wahres dran ist, auch wenn sie vielleicht nicht vollständig des Rätsels Lösung ist.

9 thoughts on “Dur = fröhlich, Moll = traurig”

  1. Interessant das mal zu lesen! Bisher habe ich mich zwar noch nicht so genau mit Musik beschäftigt, muss aber sagen, dass ich das ganz gut verstehe wenn ich das so lese – mein Onkel ist Musiker und allgemein ist meine Familie ziemlich musikalisch veranlagt. Früher habe ich auch in einem Gospelchor (Sopran) mitgesungen – unter anderem Teile aus dem immer noch tollen Film “Sisters Act” oder der geile Song “Hey Jude”…

    Irgendwie liegt es auch nahe, dass die Sprachtheorie passt, man hört ja seinem Partner oder ner Freundin am Telefon auch an wenn irgendetwas nicht stimmt…
    Ich habe sogar manchmal das Gefühl, dass ich anders schreibe (wenn ich blogge) wenn es mir nicht so gut geht… Und bei der Musik hat man sich daran wahrscheinlich angelegt, man kann es natürlich auch nicht unbedingt nachweisen. Aber tolle Ausführung 🙂

    Lg
    Mona

  2. Interessante Theorie – auch sehr verständlich dargestellt. Könnte auch auf jeden Fall durchaus etwas dran sein

  3. Hallo. Ich würde nicht Fröhlich und traurig das bezeichnen. Grundsätzlich stimmt das schon.

    Ich würde eher sagen…

    Dur ist “heiter” und Moll ist “ernst”.

    Ich mein, ich fang ja nicht gleich an zu weinen wenn ich Metallica höre. Genau so wenig bekomm ich einen Langkrampf wenn ich Volksmusik höre.

    Auch noch erwähnenswert wäre der sogenannte Blueston der genau zwischen der Moll- und der Durterz liegt.

    Grüsse

    http://www.klanglab.ch

    1. Warum klingt Moll traurig?
      Das größte Problem bei der Beantwortung der Frage, warum Moll traurig klingt, dürfte wohl in der Tatsache liegen, dass Moll auch manchmal nicht traurig klingt. Die Lösung dieses Problems ist die Strebetendenz-Theorie. Sie sagt, dass Musik überhaupt keine Emotionen vermitteln kann, sondern nur Willensvorgänge, mit denen sich der Musikhörer identifiziert. Beim Vorgang der Identifikation werden die Willensvorgänge dann mit Emotionen gefärbt.
      Bei einem Durakkord in bestimmtem harmonischen Kontext identifiziert sich der Hörer beispielsweise mit einem Willensinhalt, der in etwa der Aussage “Ja, ich will” entspricht. Ein Mollakkord – in bestimmtem Kontext gespielt – bewirkt dagegen die Identifikation mit einem Willensinhalt, der in etwa der Aussage “Ich will nicht mehr” entspricht. So kann dieser Willensinhalt “Ich will nicht mehr” beispielsweise als traurig oder als wütend erfahren werden, je nachdem, ob ein Mollakkord relativ laut oder leise gespielt wird. Wir unterscheiden hier genauso, wie wir unterscheiden würden, wenn jemand die die Worte “Ich will nicht mehr” einmal leise und einmal laut schreiend von sich geben würde. Ähnliche Identifikationsvorgänge kann man übrigens beobachten, wenn wir einen spannenden Film anschauen und uns mit den Willensvorgängen unserer Lieblingsfigur identifizieren. Auch hier erzeugt erst der Vorgang der Identifikation Emotionen.
      Da der Umweg der Emotionen über Willensvorgänge in der Musik nicht erkannt wurde, scheiterten auch alle musikpsychologischen und neurologischen Versuche, die Ursache der Emotionen in der Musik zu ergründen. Der Erfolg dieser Versuche würde in etwa einem Menschen entsprechen, der einen Fernsehapparat aufschraubt und darin mit der Lupe nach den Emotionen sucht, die er zuvor beim Ansehen eines Films empfunden hatte.
      Doch wie kann Musik Willensvorgänge vermitteln? Diese Willensvorgänge haben etwas mit dem zu tun, was alte Musiktheoretiker mit Vorhalt, Leitton oder Strebetendenz bezeichnet haben. Wenn wir diese musikalische Erscheinungen gedanklich in ihr Gegenteil umkehren, dann haben wir in etwa den Willensinhalt umrissen, mit dem sich der Musikhörer identifiziert. In der Praxis wird dann alles noch etwas komplizierter, so dass sich auch konkretere Willensinhalte musikalisch darstellen lassen.
      Weitere Informationen erhalten Sie über den kostenlosen Download des fünfteiligen Artikels “Warum klingt Moll traurig? Die Strebetendenz-Theorie erklärt das Gefühl in der Musik” des Onlinemagazins “musik heute” unter dem Link:
      http://www.musik-heute.de/tags/strebetendenz-theorie/
      oder über den kostenlosen Download des E-Book der Universität München “Musik und Emotionen – Studien zur Strebetendenz-Theorie”:
      http://ebooks.ub.uni-muenchen.de/26791/
      Eine kurze Darstellung der Strebetendenz-Theorie, die extra für Laien verfasst wurde, findet sich hier: http://www.willimekmusic.de/erklaerung-strebetendenz-theorie.pdf
      Bernd Willimek

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