Kolumne

Blog vs. Magazin

Sein eigenes Weblog kann theoretisch jeder innerhalb weniger Sekunden erstellen – ohne irgendwelche Qualifikationen dafür erworben haben zu müssen. Vielleicht ist das der Hauptgrund dafür, dass der Begriff Blogger (ganz egal, ob als reines Hobby oder sogar als Beruf) von Außenstehen noch immer recht häufig auf Skepsis oder sogar Ablehnung stößt.
Das Klischee ist relativ klar: Der typische Blogger ist jung, hübsch, weiblich und streichelt ihr Ego, indem sie über oberflächliche Dinge wie Mode oder Schminke schreibt und sich in dem, was sie täglich so anzieht, mal kurz fotografieren lässt. Dafür schmeißen ihr zahlreiche Firmen Klamotten, technisches Equipment, Reisen und Co nur so hinterher. Alles umsonst. Für eine Person, die – außer gut aussehen, Klamotten anziehen und oberflächlich sein – nicht wirklich viel kann. Oder seit wann zählt der Job Blogger zu den anerkannten Ausbildungsberufen?
So weit, so gut – und soweit nichts Neues. Neben diesem altbekannten Klischee, man sei als Blogger prinzipiell hauptsächlich Fan von sich selbst, total oberflächlich und dazu noch ein Dilettant (sonst wäre man ja richtiger Redakteur geworden), höre ich den Satz “Ach, ein Blog? Kriegst du dann auch alles umsonst?” mittlerweile immer öfter.
 
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Tatsächlich weiß ich nicht, wann sich die Meinung als Blogger würde man die Gratisklamotten nur so hinterhergeworfen bekommen, eingebürgert hat und wundere mich jedes Mal, wenn andere Blogger dafür schon fast verurteilt werden, wenn sie Kooperationen mit Firmen eingehen.
Was mich wundert ist, dass sich bei dem klassischen Printmagazin niemand (zumindest nicht in dem Ausmaß) darüber beschwert, dass ein ordentlicher Teil des Hefts für 5€ oder mehr (Blogs kann man in der Regel kostenlos lesen!) voll mit Werbeseiten ist. Und natürlich sind auch die Redakteure des Printmagazins nicht immer rein zufällig und auf eigene Kosten auf den vielen Veranstaltungen von denen sie berichten. Wer glaubt, klassische (Print-)Magazine würden nicht auch liebend gern Kooperationen mit verschiedenen Unternehmen eingehen, irrt sich gewaltig – und kaum jemand findet das schlimm. Warum? Weil bei Magazinen richtige Redakteure angestellt sind und Blogger eben nur interessierte Laien sind und deshalb nichts damit verdienen dürfen, weil sie sonst ihre Authentizität verlieren?
Diese Einstellung halte ich für ziemlich bescheuert. Neben der Tatsache, dass ein Studium allein noch keinen Profijournalisten macht, verdienen einige Blogger mit ihrem Blog ihren Lebensunterhalt – auf ihrem Gebiet (dem Bloggen) sind sie daher auch Profis. Und seien wir mal ganz ehrlich: Wer permanent nur dilettantischen Müll von sich gibt, wird nicht gelesen und damit bestimmt auch nicht für genau diesen Müll bezahlt. Aus den unfassbar vielen Blogs, die mittlerweile im World Wide Web existieren, herauszustechen und eine große, feste Stammleserschaft aufzubauen, ist nicht nur mit ein paar Klicks erledigt und definitiv mit Arbeit verbunden.
Warum sollte man also nicht einfach – wie bei richtigen Redakteuren auch – die Arbeit, die in einem Blog steckt, anerkennen und dem Blogger, der wirklich gute Arbeit leistet und nicht selten einen Großteil seiner Freizeit für seinen Blog opfert, auch einfach mal gönnen, was wir bei (Print-)Magazinen, für die wir bezahlen, schon längst als normal akzeptiert haben?

10 thoughts on “Blog vs. Magazin”

  1. Die von dir angesprochen Anerkennung ist, zumindest bei der jungen Generation von Journalisten, durchaus vorhanden. Die Akzeptanz bezüglich Blogs oder Blogging wird immer größer. Während meinem Journalismus-Studium hatte ich bereits zwei Seminare, die sich ausschließlich damit befasst haben. Quo vadis Journalismus? Allerdings wird es meiner Meinung noch 10-20 Jahre dauern, bis das “Blogging” einen derart hohen Stellenwert besitzt, wie der Content von Printmagazinen. Zudem muss man noch in Erwägung ziehen, dass dem Publizieren von Artikeln (egal ob digital oder im Print) in der Regel ein fundiertes journalistisches Studium zugrunde liegt. Ohne dieses hat man fast keine Chance. Dass KollegInnen aus der Medienbranche, die 3-5 Jahre hinter Büchern und im Audimax zugebracht haben, nicht sonderlich “amused” darüber sind, dass ein Blogger scheinbar im Handumdrehen durch die Blog-Implementierung mehr Content generiert und dessen Blog-Zugriffe schon eine kritische Masse erzeugen, ist natürlich ebenfalls nachvollziehbar. Wobei sich dann natürlich genau die Frage stellt, die du in deinem Artikel aufgeführt hast. Ein Studium macht dich durchaus zum Journalisten (fachlich), aber nicht zu einem guten Schriftsteller. Die Menschen wollen unterhalten werden, egal ob durch einen journalistischen Fachartikel oder einem Blog-Beitrag über Schuhe und Kleider. Was am Ende zählt, ist der Inhalt.

  2. Wie Du schon schreibst – um aus den tausenden Blog herauszustechen, bedarf es Arbeit, Aufwand und vor allem Qualität – und umsonst gibt es sehr wenig in dieser Welt – auch wenn uns die Werbung oft eines Besseren belehren will.

    Was wir lernen ist eines – was wir daraus machen, etwas anderes…

    wie immer gern gelesen und die Bilder? Daumen hoch…

    LG

    Macabros

  3. Großartiger Beitrag! Die meisten Leute denken, dass so ein Beitrag mal eben in ein paar Minuten fertig geschrieben ist. Aber das dahinter stundenlange Arbeit steckt verstehen wahrscheinlich nur Blogger. Deswegen finde ich es auch total in Ordnung, wenn man dafür eine Vergütung bekommt.

    Liebe Grüße,
    Jana von bezauberndenana.de

  4. Ein wahnsinnig toller Beitrag. Ich finde ja, gute kreative Arbeit sollte adäquat entlohnt werden. Ich verstehe auch nicht, wieso Leser biestig auf Kooperationen reagieren. Klar viele wissen vielleicht einfach nicht dass man aus 100 Anfragen zwei in die Tat umsetzt und trotzdem ist diese Kooperation nicht nachteilig für Leser. Denn weder musste man 6 Mäuse auf den Tresen legen, um wie in Magazinen mit Seitenweise Werbung überrumpelt zu werden, noch ist man gezwungen dieses Beitrag zu lesen. Ich finde Blogger egal ob Hobby oder Berufler stecken so viel liebe und Herzblut in ihr kleines Baby. Klar hat man sich alles von HTML, LAYOUTEN und Statistiken selbst Beigebracht. Aber hey, man hat es sich selbst beigebracht, dass sollte doch auch wahrgenommen werden. Ich finde einfach viele vergessen wie viel Arbeit hinter so einem Projekt steckt, und viele machen es ja noch nebenbei. Aber wahrscheinlich muss die Akzeptanz erst wachsen, weiter wachsen sowie dass vertrauen der Leser – die sich nicht durch Kooperationen belogen fühlen – steigen.

    Bisous aus Berlin, deine Patricia
    THEVOGUEVOYAGE

  5. Ein großartiger Beitrag! Ich finde das ist ein sehr spannendes Thema. Früher habe ich selbst sehr gerne Printmagazine gelesen. Bis… plötzlich auf jeder zweiten Seite nur noch Werbung stand. Da geht mir persönlich die Inspiration verloren.
    Kreative Arbeit sollte niemals als selbstverständlich erachtet, sondern honoriert und anerkannt werden. Hinter jedem Blog steckt ein Mensch. Der sich Gedanken macht und sein Bestes gibt. Und dafür auch jede Menge Zeit, Herzblut und Arbeit investiert. Wenn das entlohnt wird – umso besser. Ob das bei jedem anderen Menschen ankommt und verstanden wird? Wahrscheinlich nicht. Anti-Denker wird es wohl immer geben. Was auch in Ordnung ist.
    Wichtig sind am Ende jedoch für mich die Leser und Menschen, die Freude an den Texten, Bildern und dem Blog haben.

    Alles Liebe
    ♡ ♡ ♡
    Juliane

  6. Ein toller Text! Ich stimme dir vollkommen zu.
    Es gibt zwar massenweise Blogs, aber die Anzahl davon, die wirklich über einen längeren Zeitraum gepflegt wird, ist am Ende doch nicht so groß. ich kenne viele, die nach kurzer zeit wieder aufgegeben habe, weil sie dann erst gemerkt haben, wie viel Arbeit eigentlich dahinter steckt.
    Liebe Grüße
    Sarah

  7. Das hast du sehr gut geschrieben. Für viele ist “Bloggen” noch kein Begriff, ich zumindest muss oft erklären was das überhaupt ist und was ich da eigentlich mache. Wir Menschen, brauchen scheinbar immer etwas Zeit uns an etwas zu gewöhnen und es zu akzeptieren…wird aber langsam 😉

  8. Da sagst du wirklich etwas Wahres! Ich denke auch, dass dem Bloggen an sich heute manchmal ein fader Beigeschmack anhaftet und viele Leute Blogger in eine Schublade stecken. Du hast aber ganz recht, dass man dabei nicht vergessen darf, dass auch die meisten Printredakteure nur vom Geld der Werbung und der Firmen überleben können.
    Liebe Grüße
    Leonie von Follow The Daisies

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