Lifestyle Musikwelt

Alle Songs immer dabei – mein Problem mit Streamingdiensten

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Das digitale Zeitalter hat uns erreicht. Keine Frage. Heute läuft fast alles online. Das hat seine Auswirkungen auf den Musikmarkt nicht verfehlt. Der Verkauf von physischen Tonträgern geht stetig zurück. Die Zeiten, in denen man noch aufgeregt und sehnsüchtig vorm Plattenladen des Vertrauens auf das Neue Album des Lieblingskünstlers gewartet hat, sind größtenteils vorbei.
Heute lädt man seine Lieblingssongs ganz bequem vom heimischen Sofa aus herunter. Oder – was immer mehr Leute nutzen – man kauft gar keine Alben und Singles mehr, sondern bezahlt jeden Monat einen Betrag X an den Streamingdienst seines Vertrauens und kann dafür alle Songs (und das sind nicht wenige), die hier gespeichert sind, kostenlos anhören und persönliche Playlists erstellen, die in der Regel auch offline abgerufen werden können. Schöne neue Technikwelt.
 
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Wo ist das Problem?

Unheimlich viele Songs hören, immer und überall – das klingt ja erstmal relativ gut. Aber: Ich kann mich damit (noch) nicht so recht anfreunden. Das hat mehrere Gründe. Warum ich ungern mein Handy zum Musikhören verwende, habe ich hier ja schon einmal gesagt. Mit dem “Ein-Gerät-für-alles-Gedanken” werde ich (zumindest im Bezug auf mein Gerät zum Abspielen von Musik) eben einfach nicht so richtig warm. Aber es gibt da noch ein anderes Problem. Denn so wirklich immer und überall wie man es gern hätte sind die Streamingsongs nämlich nicht verfügbar.
 
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Der Wert des Eigentums

Ja – ich bekomme Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass ich monatlich für etwas bezahle, das ich nicht wirklich besitze. Klar, bei vielen Dingen (Miete, Versicherungen,…) geht es nicht anders, aber: Ich gehöre zu den Menschen, die Dinge lieber ganz fest und unmissverständlich ihr Eigen nennen können, statt sie monatlich zu mieten. Warum? Nunja, es bietet mir eine gewisse Sicherheit.
Der Betrag für die Streamingdienste ist in der Regel nicht super hoch und viele verfügen über kurze Kündigungsfristen, aber: Ist dieser Vertag einmal beendet, dann habe ich: Nichts.
Logischerweise. Von den ganzen 20 Millionen Songs (oder mehr) steht mir nach so einem Abo nämlich kein einziger mehr zur Verfügung, wenn die App erst einmal gelöscht ist.
Bei einer CD (oder vergleichbarem) sieht die ganze Geschichte anders aus. Die kann ich nicht nur so oft und lange hören wie ich will, sondern habe noch etwas, das mir kein Streamingportal dieser Erde bieten kann: Sacheigentum. Klar bezahle ich dafür auch mehr als beim Streamingdienst, aber: Ich besitze diese CD und kann damit tun und lassen was ich will.
Auch verkaufen oder verschenken. Zeitlich unbegrenzt. Unabhängig von Tarifen, Internet, Apps und Co. Immer und überall.
Zugegeben, es ist wohl eine etwas altmodische Denkweise. Aber was nützen mir 20 Millionen Songs, wenn ich doch nur einen Bruchteil davon hören möchte (und einige Künstler, die ich gerne höre, vielleicht gar keinen Vertrag mit dem jeweiligen Streamingdienst abgeschlossen haben)? Und was nützt mir das flexibelste Abo, wenn mir (auch am Ende des Abos) kein einziger Song wirklich gehört?
Gerade das Sacheigentum ist ein wichtiges Gut, das einfach nicht unterschätzt werden sollte. Was, wenn meine Lieblingsband sich mit dem Streamingportal auf einmal nicht mehr einigen kann und der Vertrag beider Parteien ausläuft? Oder sich die Eigentumsverhältnisse ändern? Dann werden die Songs der betreffenden Band aus den Playlists gelöscht. Was ich dagegen tun kann? Nichts. Ich habe als Nutzer dann schlicht Pech gehabt.
Bei einem richtig gekauftem Tonträger kann mir das nicht passieren. Den besitze ich. Ob Farin Urlaub oder AC/DC (die beispielsweise meines Wissens aktuell nicht bei Spotify, einem der ganz großen und bekanntesten Dienste, abrufbar sind) nun einen Vertrag mit Streamingdiensten haben oder nicht. Die von mir gekauften Alben beider Interpreten kann ich immer hören.

4 thoughts on “Alle Songs immer dabei – mein Problem mit Streamingdiensten”

  1. Da rennst Du bei mir offene Türen ein – ich kaufe Musik um sie zu nutzen, sie zu erleben, sie zu genießen und ja, um sie zu besitzen. Deine Argumente kann ich voll und ganz nachvollziehen.

    Früher musste es nach der Cassettenaufnahme die Schallplatte sein, nach dem Radio die CD, nach dem mp3 Song die Cd/DVD und beim Streaming ist es ähnlich – ich brauche Handfestes, was mir gehört, was ich nutzen kann, wann ich will und nicht, dass es irgendwann auf einmal weg ist.

    Gleiches Thema bei Online PC Spielen – Diablo III – tolles Spiel (sofern man/frau das Genre mag), aber Du kaufst die DVD, installierst und kannst NUR online spielen und nicht offline und wenn der Server abgeschaltet wurde? Exitus, Pech gehabt…

    Ich brauche etwas Echtes, auch wenn ich vielleicht altmodisch, oder ein Anachronismus bin…

    (wieder sehr tolle Bilder!)

    LG

    Maccabros

  2. Wie immer hat die Tina nicht ganz unrecht. Mieten ist kein Besitz… Von uneingeschränktem Eigentum ganz zu schweigen. Thomas Yorke, radiohead, groenemeyer, élément of crime etc. Lizenzieren nicht bei Spotify… Aus gutem Grund. Kassieren tun die rechteinhaber…die grossen label.

    Und gefeatured werden die Stars und die kleinen Indie Künstler findet man dort kaum.

    Ich streame auch bewusst nicht! Ich lade mir von meinen CDs die Musik aufs Handy. Das ist meine kompromisslösung bis ich vielleicht irgendwann mit Streaming einverstanden bin!

    Lg

  3. Oder einfach bei den Lieblingsmusikern die CDs kaufen und Streamingportal trotzdem nutzen, um reinschnuppern zu koennen. Nicht jeder hat Zeit, stundenlang im Plattenladen zu stehen, da ist so eine Onlinebibliothek mit Millionen von Songs von sehr toll! Man kann sich alles erst einmal anhören. Für die Musiker ist das streaming alleine natürlich auch mehr oder weniger Ausbeutung, die bekommen ja gerade mal 0.0000001Cent pro gehörtem Song. Daher denke ich, darf man nicht vergessen, auch mal ne CD zu kaufen. Aber beides zusammen halte ich für eine super Sache, neue Musik für sich zu entdecken!

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